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Das Parkpickerl hat einen doppelten Boden. Denn es verspricht jenen, die es für teures Geld erworben haben, den parkplatztechnischen Idealzustand. Der ist: Es soll vor meiner Tür immer ein Parkplatz frei sein - und zwar am besten reserviert für mich. Alle anderen sollen dort gar nicht - und wenn schon, dann bitte sündteuer - parken können. Am besten mit einem Parksheriff auf Abruf, der dem Parksünder so lange auflauert, bis er freiwillig das Weite sucht.
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Das Problem dabei ist eine psychologische Falle. Denn gemäß dem alten Kalauer "Jeder ist Ausländer - fast überall" ist auch jeder Parkpickerl-Kunde fast überall Park-Ausländer, nämlich sobald er nur um die Ecke in den nächsten Bezirk fährt. Demgemäß sind die nun von der "Wiener Zeitung" enthüllten Wünsche der Bezirke nach einer Ausweitung der Parkverbote auf 22 Uhr nur aus einer sehr engstirnigen Sicht erklärbar.
Natürlich wünscht sich jeder Bezirk, dass seine Einwohner, wenn sie schon dafür in die Tasche greifen, dann auch einen Parkplatz bekommen. Und drängt daher auf eine Ausweitung der Kurzparkzeiten.
Hier allerdings liegt der Fehler: Wenn alle Bezirke dasselbe tun und zudem noch neue Teile Wiens ein eigenes Parkpickerl bekommen - wird der Lenkungseffekt, den das Pickerl ursprünglich einmal haben sollte (nämlich weg von den überparkten Bezirken hin zu den Außenbezirken), verwässert. Denn den Verkehr friktionsfrei weg lenken kann man natürlich nur, wenn auch ein Reservoir an (frei beparkbaren) Plätzen zur Verfügung steht, das die Autos auch aufnehmen kann. Sonst wird die Sache schikanös. Denn gibt es keine kostenlosen Parkplätze mehr, haben alle Wiener ein Problem: Und zwar in 22 von 23 Bezirken. Einziger Effekt wäre, dass man "Gastparker" aus Niederösterreich fern hält. Das könnte man mit einer City-Maut jedoch auch erreichen.
Wenn man das Pickerl nun wie gefordert noch weiter ausdehnt, wird der Aufkleber genau das, was ihm schon lange vorgeworfen wird: Eine Geldbeschaffungsmaßnahme der Stadt. Eine Strafsteuer für alle Autofahrer, die ihr Auto nicht in eine (in Wien viel zu teure) Garage stellen wollen. Dabei sind die Garagentarife mancherorts so hoch, dass es billiger kommt, auf der Straße zu parken und sich strafen zu lassen.
Auch das bequeme Bezahlen des Parkscheins mit dem Handy unterstreicht das noch: Ob man länger steht als die erlaubten zwei Stunden (etwa den ganzen Tag, weil man im Büro sitzt), ist der Stadt völlig egal. Hauptsache man zahlt brav die Gebühr.
Einen Vorteil hätte die Ausweitung dennoch: Eine Vereinheitlichung der völlig wild durcheinander gewachsenen Kurzparkregelung täte dringend not. Immerhin ist es sogar für gelernte Wiener schwer, sich zu merken, welche Regelung wo gerade gilt. Wenn man schon reformiert, könnte man die unterschiedlichen Regelungen für die Geschäftsstraßen gleich mitreformieren.
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