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Zur Nachhilfe zum Kapitän

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

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Da durften sie nun also alle antanzen - Marc Janko, Marko Arnautovic, Julian Baumgartlinger - und dem scheidenden Teamchef Marcel Koller ihre Anerkennung aussprechen sowie dessen Demontage durch die Landesfürsten offen kritisieren. Die hatten sich nämlich schon vor der Sitzung, bei der Kollers Abschied besiegelt werden sollte, dementsprechend geäußert. "Beschämend" und "indiskret" fanden das die Spieler. ÖFB-Chef Leo Windtner legitimierte ihre Wortmeldungen, ohne aber selbst Kritik an den Landeschefs zu üben, denen zuletzt mehr Mitspracherecht eingeräumt wurde. Jetzt sind es wieder diese, die den ÖFB in die Bredouille bringen. Einige fordern öffentlich auch die Ablöse von Sportchef Willi Ruttensteiner. Laut "Presse" und "Kurier" soll dies auf der Sitzung am Samstag besiegelt werden, Peter Schöttel ante portas stehen. Freilich: Ruttensteiner hat Fehler gemacht, vor allem die Analyse nach der EM 2016 fiel dürftig aus. Doch der ÖFB hat ihm vielleicht mehr zu verdanken als Koller. Als "Powerpoint-Philosoph" verschrien, war er seiner Zeit in Österreich damals voraus, er forcierte Ausbildungszentren, Trainerfortbildung und den Frauenfußball, war selbst Mädchen für alles - vielleicht für zu viel. Eine Debatte über eine Kompetenzenteilung ist daher sinnvoll, ein Rausschmiss alleine wegen persönlicher Interessen eher nicht. Schließlich hat bisher niemand Ruttensteiners fachliche Qualifikation öffentlich in Zweifel gezogen. Noch irritierender ist angesichts der Berichte, dass er auf der Sitzung auch ein Anforderungsprofil für den neuen Teamchef vorlegen soll. Dabei sagte selbst Windtner im "Kurier", es habe schon Hearings mit Kandidaten gegeben - nicht für Kollers Posten, sondern für jenen Ruttensteiners. Offenbar hat man aus dem Kommunikations-Desaster in der Causa Koller wenig gelernt. Vielleicht kann Kapitän Baumgartlinger ("Wir brauchen eine gemeinsame Lösung im Sinne des Sports") einigen Nachhilfe geben.