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Israel vertreibt Palästinenser aus Ost-Jerusalem. | Jerusalem. Die israelische Regierung setzt trotz internationaler Kritik ihren Anspruch auf Ost-Jerusalem weiter durch. Dutzende schwarz bekleideter, bewaffneter Sicherheitskräfte räumten am Sonntag zwei palästinensische Wohnhäuser in Sheikh Jarrah. Das Viertel liegt nördlich der Altstadt. Etwa 50 Personen, davon 19 Kinder und Jugendliche, wurden zwangsevakuiert.
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Die Polizisten erledigten ihren Auftrag zügig. Sie forderten die palästinensischen Bewohner morgens kurz nach vier Uhr zum Verlassen ihrer Häuser auf. Kaum waren die Häuser geräumt, zogen unter Polizeischutz israelische Siedler, Mitglieder einer orthodoxen Gruppierung, in die beiden Häuser ein.
Diese hat die UNRWA, die UN-Organisation für palästinensische Flüchtlinge, in den 50er Jahren gebaut und Familien zur Verfügung gestellt, die nach der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 ihr Zuhause verloren hatten. Damals war Ost-Jerusalem unter jordanischer Kontrolle. Nachdem Israel im Laufe des Sechs-Tage-Krieges 1967 Ost-Jerusalem erobert und später annektiert hat, hat eine jüdische Organisation Anspruch auf die Häuser erhoben. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Grab eines jüdischen Gelehrten, der bis heute von frommen Juden verehrt wird.
Die Evakuierung der beiden palästinensischen Familien hat in Sheikh Jarrah für Angst und Wut gesorgt; mehr als 20 weitere Häuser sind ebenfalls bedroht. Die meisten der Bewohner sind dort zur Welt gekommen und haben dort ihr ganzes Leben verbracht. "Nun kommen die Israelis und nehmen unser Eigentum und behaupten sie seien eine Demokratie. Das ist alles eine Lüge. Können wir Palästinenser unser Recht auf unseren Besitz in West-Jerusalem einfordern?", macht ein Anwohner seiner Wut Luft. Ein Siedler, der dem Geschehen zuschaut, stellt fest: "Wir sind das auserlesene Volk. Gott hat uns Jerusalem versprochen. Das muss die Welt verstehen." Die US-Regierung, die Vereinten Nationen und verschiedene europäische Länder aber haben die israelische Politik in Ost-Jerusalem wiederholt kritisiert. Washington verurteilte die jüngste Zwangsräumung scharf.
Kritik prallt ab
Und die Wut der Palästinenser ist umso größer, als die jüngsten Räumungen keine Einzelfälle sind. Rund um die Altstadt von Jerusalem und auch in der Altstadt selber hat Israel seine Präsenz in den letzten Jahren ständig verstärkt. Systematisch werden Land und Häuser in Besitz genommen und durch die Niederlassung von Siedlern eine Politik der Judaisierung Ost-Jerusalems verfolgt. Von der massiven internationalen Kritik zeigte sich Israel bisher kaum beeindruckt.
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