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Rom - Bei den Wahlen in 12 Provinzen und 492 Gemeinden haben die Italiener am Sonntag und Montag ihrem Regierungschef Silvio Berlusconi eine saftige Ohrfeige verabreicht. Besonders schmerzlich für den Premier war der Verlust der Provinz Rom, wo der amtierende Provinzpräsident Silvano Moffa von Berlusconis Forza Italia bereits im ersten Wahlgang seinem Herausforderer, dem römischen Vizebürgermeister Enrico Gasbarra, unterlag, der 53,4 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte.
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Die oppositionellen Linksdemokraten konnten sich mit 23,2 Prozent der Stimmen klar vor der Regierungspartei Forza Italia platzieren, die nur 14,7 Prozent erreichte. Bei den Parlamentswahlen am 13. Mai 2001 war Berlusconis Partei mit 23,8 Prozent klar stärkste Gruppe in der Provinz. Diesmals fiel sie sogar hinter den Koalitionspartner von der postfaschistischen Alleanza Nazionale zurück, die 18 Prozent erreichte.
Besser erging es Berlusconi in seine Hochburg Sizilien, wo seine Kandidaten in vier der acht Provinzen - Palermo, Catania, Messina und Agrigento - mit Mehrheiten mit mehrheiten von 60,3, 64,9, 65,9 und 56,4 Prozent auf Anhieb gewählt wurden. Die Provinz Enna ging mit 59,8 Prozent an das Mitte- Links-Bündnis. In drei weiteren Provinzen kommt es zu Stichwahlen, wobei Berluscionis Kandidaten in zwei davon vorne liegen.
Die auf dem Festland liegenden Provinzen von Foggia, Benevent und Massa Carrara gingen mit überwältigenden Mehrheiten von 59, 73,6 und 55 Prozent an die Linkskandidaten.
Auch bei den Bürgermeisterwahlen konnte sich die oppositionelle Mitte-Links-Koalition deutlich verbessern. In Pisa und Massa siegten ihre Kandidaten klar mit 57,7 und 64,2 Prozent. Berlusconis Partei konnte auf Anhieb in den zehn größten Städten, in denen gewählt wurde, nur in Messina punkten. In den Provinzhauptstädten Vicenza, Treviso, Brescia, Sondrio Pescara und Ragusa kommt es zu Stichwahlen am 8. und 9. Juni.
Ulivo-Politiker betonten einhellig, dass Berlusconi wegen seiner scharfen Attacken gegen die Justiz bestraft worden sei. Er und sein Vertrauensmann Cesare Previti sind zurzeit in Aufsehen erregenden Korruptionsprozessen angeklagt. "Berlusconi sollte über das Wahlergebnis nachdenken. Die Wähler bestrafen seine Aggressivität. Er ist arrogant, als wäre er der Herrscher Italiens", kommentierte der Vorsitzende der DS, Piero Fassino. "Die Italiener haben ihr Vertrauen in Berlusconi verloren."
"Der Wind hat sich in Italien gedreht. Die Regierungskoalition ist unter Druck, während die Mitte-Links-Allianz bewiesen hat, dass sie mit dem Zusammenhalt ihrer Kräfte siegen kann", sagte der Sprecher der Grünen, Alfonso Pecoraro Scanio.
Berlusconi ließ sich von den Kommentaren aus dem linken politischen Spektrum indes nicht einschüchtern: "Das Wichtigste ist, dass dieser Wahlgang die Machtverhältnisse nicht verändert hat. Berlusconi will seinem Vertrauensmann und Ex-Rechtsanwalt Cesare Previti als Kandidat bei den Europawahlen im kommenden Jahr unterstützen, um ihn vor der italienischen Justiz in Schutz zu nehmen. Der ehemalige Verteidigungsminister, der Anfang Mai wegen Richterbestechung zu elf Jahren Haft verurteilt worden ist, soll als Spitzenkandidat der Berlusconi-Partei Forza Italia am Wahlkampf im kommenden Jahr teilnehmen.
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