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Das Phänomen der "Poor Door", einer separaten Eingangstür für die Armen, schafft Unruhe in London.
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London. Wer Geld hat, darf den Vordereingang benutzen. Marmorkacheln, Kristall-Leuchter, weiche Polstergruppen in der Eingangshalle gehören dazu. Grüne Innenhöfe gibt es, und in der Tiefgarage kann der Chauffeur den Wagen abstellen. Außerdem sind Hausmeister rund um die Uhr verfügbar. Wohlhabenden Londonern soll es an nichts fehlen. Sie haben schließlich Millionen für ihre Luxus-Apartments bezahlt.
Die "arme Verwandtschaft", die im gleichen Haus wohnt, hat ihre eigenen, separaten Eingänge. Es sind unscheinbare Seiten- oder Hintereingänge, ohne allen Komfort. Statt Plüschsofas und Luster erwarten graue Briefkastenreihen an nackten Wänden die Bewohner. Die Lifte funktionieren nicht immer. Oft sind Beobachtungskameras angebracht worden. Schilder warnen vor Sachbeschädigungen, Zuwiderhandelnden wird Strafverfolgung angedroht.
Zwei verschiedene Welten - im gleichen Gebäude. Und die eine trifft die andere nicht. Dem reichen London soll der Anblick des armen erspart werden. Darum werden nun viele der neuen Luxus-Wohnblocks an der Themse mit zwei sehr verschiedenen Eingangstüren gebaut.
Die eine Tür ist das "posh door", die Tür für die Wohlhabenden. Die andere die für die Mittellosen, das sogenannte "poor door". Eine Londoner Zeitung hat diese neue Segregation aufgegriffen, nachdem sie bei einer ganzen Reihe moderner und vielmillionenteurer Apartment-Blocks in London auf solche baulichen Arrangements gestoßen war.
Das Blatt entdeckte, dass die Leute, die die "poor doors" benutzen, sich zurückgesetzt und als Bürger zweiter Klasse behandelt fühlen. Ein Stadtrat der Grünen in London, Darren Johnson, hat von "krasser Verachtung für Normalbürger" gewarnt.
Auch das böse Wort Apartheid ist schon mehrfach gefallen. Der schwarze Labour-Abgeordnete für Tottenham, David Lammy, hat "ein Ende dieser Praxis" verlangt. Die Zweitürigkeit gehöre "eher in einen Dickens-Roman als in eine Weltstadt des 21. Jahrhunderts", meint er. "Hier haben wir einen Fall, in dem Londoner Seite an Seite wohnen - aber getrennt durch Backsteine, Mörtel und Geld."
Erinnerung an Arm-Reich-Kluft
Ungewöhnlich ist es natürlich nicht, dass Arm und Reich in London Seite an Seite leben. Von den "guten Adressen" zu den "schlechten" ist es oft gar nicht weit. Dass sie im selben Haus, an der selben Adresse, wohnen, ist aber relativ neu. Grund dafür ist eine Vorschrift des letzten Labour-Bürgermeisters Ken Livingstone, der zufolge Baulöwen bei größeren Neubauten einen gewissen Prozentsatz an Wohnungen als "erschwingliche" Wohnungen - auch für Sozialhilfeempfänger - bereitstellen müssen.
Das behagt weder den Bau-Investoren noch den Käufern von Luxuswohnungen. Es ist aber, als Planungsvorgabe, nicht zu umgehen. Darum ist man nun auf die Sache mit den getrennten Türen verfallen. Bauherren und Wohnungs-Verwaltungen finden das nur natürlich. Man könne den Leuten auf den billigen Plätzen ja nicht astronomische Hausverwaltungs-Kosten abverlangen. Also müssten beide Seiten getrennt behandelt werden.
Dem Tory-Bürgermeister Londons, Boris Johnson, ist die Sache mit den zwei Türen zwar auch nicht lieb, wie er erklärt hat. Andererseits sieht Johnson nicht, was er daran groß ändern könne. Sein neuer New Yorker Amtskollege, der Demokrat Bill de Blasio, gelobte indes, Zweitürigkeit dieser Art zu verhindern.
So werden die "poor doors" aus London wohl kaum verschwinden. Stattdessen werden sie, als Ausdruck einer alten Malaise, ein Ärgernis bleiben - und die Londoner an die sich weitende Kluft zwischen Arm und Reich in ihrer Stadt erinnern.

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