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Wenn heute im Burgenland die ersten zweisprachigen Ortstafeln aufgestellt werden, dann gehen dem jahrzehntelange Bemühungen der VolksgruppenvertreterInnen voran. Seit 1955 haben auch die burgenländischen Kroaten das Recht auf zweisprachige topographische Bezeichnungen in bestimmten Gebieten, doch erst seit heute gibt es sichtbare Zeichen davon.
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Es ist wohl nicht der Festakt, zu dem Bundeskanzler Wolfgang Schüssel heute geladen hatte, der den Burgenländischen Kroaten den größten Grund zur Freude gibt. Der Anlass dazu ist ein gewichtiger: Eine jahrelang geäußerte Forderung wird nun teilweise erfüllt. Die erste zweisprachige Ortstafel im Burgenland wird in Großwarasdorf/Veliki Borištof aufgestellt. Tafeln in 47 kroatischen Ortschaften und vier ungarischen Gemeinden sollen folgen. Laut Eigeneinschätzungen leben 40.000 bis 50.000 Kroaten in Österreich.
Es hat 45 Jahre gedauert, bis das im Staatsvertrag verbriefte Recht im Burgenland umgesetzt wurde. Von 45 Jahren "Verfassungsbruch" sprechen daher einige Gruppen. Parteipolitisch bedingte Assimilierungspolitik habe verhindert, dass die Volksgruppe ihre Rechte in Anspruch nehmen könne, erklärt Terezija Stoisits, Obfrau des Menschenrechtsausschusses, gegenüber der "Wiener Zeitung". Als Grund für das lange Zögern sieht sie Konsequenzen für das staatliche Handeln. Die Umsetzung der Volksgruppenrechte hätte nicht zuletzt finanzielle Auswirkungen: Es ginge nämlich nicht nur um zweisprachige Ortstafeln, sondern auch um entsprechende Hinweisschilder oder zweisprachige Formulare bei Ämtern und Behörden.
Zweisprachigkeit als Symbol
Ebenfalls von einer "jahrzehntelangen Assimilationsbewegung" spricht Silvija Resetarits vom Kroatischen Akademikerklub. Gleichzeitig sei auch negatives Image für zweisprachige Tafeln gemacht worden. Erst in den späten 70er Jahren ist - vor allem unter Jugendlichen - eine Bewegung entstanden, die die Ortstafeln massiv einzufordern begann und dies mit zahlreichen legalen und illegalen Aktionen zum Ausdruck brachte. "Zweisprachigkeit ist in der Öffentlichkeit ein wichtiges Symbol für uns", erläutert Resetarits. Wenn die Aufstellung der Tafeln schon vor Jahren erfolgt wäre, wäre der Assimilierungsdruck geringer, vermutet sie.
Vielleicht war es auch die Angst vor "Kärntner Verhältnissen", die die Aufstellung der zweisprachigen Ortstafeln im Burgenland so lange verhindert hat, meint Hubert Mikel vom Österreichischen Volksgruppenzentrum. Im Jahr 1972 kam es dort zum so genannten Ortstafelsturm. Nachdem der Nationalrat das Ortstafelgesetz beschlossen hatte und die Aufstellung erfolgt war, wurden die Tafeln von deutschnationalen Kräften in Gewaltakten wieder entfernt.
Die Kärntner Slowenen bilden mit rund 50.000 Angehörigen neben den Burgenländischen Kroaten die größte ethnische Minderheit in Österreich. Ursprünglich waren in 220 Kärntner Ortschaften zweisprachige Ortstafeln vorgesehen. Doch 1976 kam das Volksgruppengesetz, das viele VolksgruppenvertreterInnen bis heute kritisieren. Denn in ihren Augen legt das Gesetz die Bestimmungen des Artikel 7 des Staatsvertrages von 1955 äußerst restriktiv aus. So ist die Anzahl der Ortschaften, in denen zweisprachige Tafeln aufgestellt werden sollen, durch die "25-Prozent-Klausel" auf 96 gesunken. Derzeit sind in 68 Ortschaften entsprechende Tafeln zu finden.
Die Volksgruppenbeiräte
Um auf diese und andere Probleme hinzuweisen, suchten die VolksgruppenvertreterInnen seit Jahren das Gespräch mit dem Bundeskanzler. Dies wurde mit Hinweis auf die Volksgruppenbeiräte abgelehnt, berichtet Mikel. Mit der Einrichtung eines Volksgruppenbeirats erfolgt das, was landläufig als "Anerkennung" einer ethnischen Minderheit bezeichnet wird.
Derzeit bestehen sechs Beiräte: für die kroatische, slowenische, ungarische, slowakische und tschechische Volksgruppe. Ein Beirat für die Volksgruppe der Roma wurde 1996 eingerichtet. Die Beiräte führen die Gespräche mit dem Bundeskanzleramt, haben allerdings nur beratende Funktion. Erst vor kurzem traten die Volksgruppen direkt mit Bundeskanzler Schüssel in den Dialog. Nun kommen zweisprachige Ortstafeln im Burgenland. Doch dem gehen jahrelange Bemühungen der Volksgruppen-Angehörigen voran.
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