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FPÖ-Kandidatin wird am Salzburger Schrannenmarkt von Fans belagert. | Christen-Kandidat konkurriert im Seniorenheim mit Hula-Vorstellung. | Salzburg. Barbara Rosenkranz hat Glück. Als die FPÖ-Präsidentschaftskandidatin Punkt zehn Uhr am Schrannenmarkt in der Mozartstadt eintrifft, macht der berüchtigte Salzburger Schnürlregen ausnahmsweise eine Pause.
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Auf dem Wochenmarkt wird Rosenkranz von einem Pulk von Wahlkämpfern und den ersten Fans freundlich empfangen. "Lassen Sie sich nicht unterkriegen, nur weil Sie etwas gesagt haben, woraus man Ihnen jetzt einen Strick drehen will", meint eine ältere Dame. Um dann strahlend anzufügen: "Die Welt gehört uns Frauen."
"Sie sind eine mutige Frau", wird die Blaue an diesem Vormittag noch öfter hören. Überhaupt ist der Wahlkampf hier ein Heimspiel für die gebürtige Salzburgerin: Gleich gegenüber, im Mirabellgarten, sei sie in die Volksschule gegangen, betont Rosenkranz, während sie händeschüttelnd über die Schranne zieht.
Auffällig unauffällig verfolgt wird sie dabei von vier Polizisten, die das Gedränge am Markt immer im Auge behalten. "Normalerweise gehen wir nicht mit den Kandidaten mit, in diesem Fall aber schon", sagt einer der Beamten. Der Grund dafür ist klar, musste Rosenkranz doch zuvor eine Veranstaltung in Dornbirn wegen einer Demo der Sozialistischen Jugend abbrechen. Doch in der Mozartstadt - dort haben bei der Nationalratswahl 2008 immerhin 17 Prozent FPÖ gewählt - bleibt alles ruhig. Nur einige Grüne und Alternative Studenten verteilen Flyer für die Demonstration am Abend, wenn Rosenkranz mit Parteichef Heinz-Christian Strache am Mirabellplatz auftritt.
Bei den Marktbesuchern und Händlern stößt die Freiheitliche aber auf nahezu ungeteilte Zustimmung. "Ich kann Ihnen etwas anbieten, wo Sie ganz starke Nerven bewahren", meint ein Verkäufer augenzwinkernd. Das angebotene Stamperl Kräuterextrakt nimmt Rosenkranz gerne an - auch ein "Naturbua"-Brot und "Salzburger Wellness Pralinen" lässt sie sich nicht entgehen. Und schon wieder stürmt eine ältere Dame auf Rosenkranz zu: "Es freut mich, dass ich Sie einmal sehe, weil Sie sind meine Favoritin", sagt sie. Zurückhaltender ist eine Fleischverkäuferin. Sie schüttelt brav Rosenkranz’ ausgestreckte Hand, gefragt, was sie von der Kandidatin halte, meint sie schüchtern: "Ich werde sie wahrscheinlich wählen."
"Sicher Rosenkranz wählen" will ein junger Bursch. Er sei selbst gebürtiger Bosnier, erklärt der Arbeitslose, aber während er voll integriert sei, "gibt es mit den Asylanten das größte Problem". Was denn ausgerechnet der Bundespräsident daran ändern könne? "Allein dadurch, dass Rosenkranz Präsidentin wird, bewegt sich sicher etwas."
"Große Freude amKontakt mit Wählern"
Die Freiheitliche ist jedenfalls guten Mutes: Der Wahlkampf sei zwar anstrengend, sagt sie zur "Wiener Zeitung", aber sie habe eine "große Freude, mit den Wählern in Kontakt zu kommen". Was ihr Wahlziel betrifft, so bleibt Rosenkranz, die laut einer aktuellen OGM-Umfrage bei rund 14 Prozent der Stimmen liegt, bei 17 Prozent.
Und immer noch regnet es nicht, im Gegenteil: Als Rosenkranz ihren Markt-Rundgang beendet, bricht sogar kurz die Frühlingssonne durch die dichten Salzburger Wolken. Nur der Wind bereitet ihr Probleme: Er weht den Heinz-Fischer-Luftballon vom benachbarten SPÖ-Stand direkt ins Gesicht der Kandidatin. "Viel heiße Luft", sagt sie und stößt den Ballon zurück ins feindliche Lager.
Mit ganz anderen Schwierigkeiten hat indes der Wahlkampftross von Rudolf Gehring zu kämpfen, der heute ebenfalls Salzburger Terrain beackert. Eigentlich wollte der Kandidat der Christen nämlich ein Krankenhaus besuchen - gemeinsam mit den Medien. Da letztere dort aber naturgemäß nicht gerne gesehen sind, muss man kurzfristig den Besuch in der Seniorenpension am Schlossberg - nach einem unfreiwilligen Verwirrspiel für alle Beteiligten - vorverlegen.
Tanzvorführung stichtRudolf Gehring aus
Doch auch dort hat Gehring starke Konkurrenz: Das Highlight an diesem Nachmittag, eine Hula-Tanzvorführung, ist bei den Bewohnern nämlich so beliebt, dass der Kandidat doch erst später kommen darf. "Wenn Hula ist, dann müssen sogar die Enkerl warten", erklärt Andreas Gruber, Juniorchef des Privatheims.
Als Gehring dann auftaucht, wird noch getanzt. Dementsprechend wird er nur von Gruber und Haushund Sammy begrüßt. Aber beim Rundgang durchs Haus trifft er dann doch auf einige nicht Hula-affine Bewohner. So will er sich gerade bei einer Dame mit Gehhilfe vorstellen, als diese unterbricht: "Ich weiß, wer Sie sind", meint sie, immerhin war sie Magistratsbedienstete und sei daher sehr an Politik interessiert.
Als er eine andere Bewohnerin, die bei Kaffee und Kuchen sitzt, an den Termin am 25. April erinnern will, meint sie, dies sei einfach, weil ihr Sohn am 26. April geboren sei. "Ah, dann haben Sie etwas zu feiern - ich hoffentlich auch", sagt Gehring launig. Gegenüber der "Wiener Zeitung" betont er erneut sein Ziel, in eine Stichwahl mit Fischer zu kommen. Derzeit liegt er laut OGM aber bei vier Prozent und damit weit abgeschlagen hinter Rosenkranz und dem Amtsinhaber, der bei 82 Prozent hält.
Heinz Fischer finden die Senioren vom Schlossberg übrigens auch gut: "Fischer ist ein netter Präsident, aber ich werde Gehring wählen, weil er heute da ist", sagt die Dame mit der Käse-Sahne-Torte. Und eine andere erklärt, wenn Gehring "es so macht wie der Fischer, dann bin ich sehr zufrieden". Warum sie nicht ihr Kreuzerl bei Fischer mache? "Er ist schon so alt, ich glaube nicht, dass er wieder gewählt werden will", sagt die etwa 80-Jährige.
Sie ist eine von derzeit 63 Heimbewohnern im Alter von 49 bis 101 Jahren. Nur die Hälfte der Senioren hat sich allerdings für die Bundespräsidentenwahl angemeldet, wie Gruber erklärt. Die anderen seien zu krank oder besachwaltet.
Christen-Kandidat "vom Herrgott gesegnet"
Gefragt, wieso er für nur rund 30 potenzielle Wähler hierher gekommen ist, erklärt Gehring: "Es geht darum, sich der Bedürfnisse der Menschen anzunehmen." Er gehe nicht auf Wählerfang, sondern wolle "für dieses Land da sein". Was die "Mühseligkeiten" des Wahlkampfs betrifft, so sagt er, das "Feuer in mir" trage ihn darüber weg, er sei "vom Herrgott so gesegnet, dass ich das auch als Präsident schaffen werde".
Ob sich die Mühe gelohnt hat oder doch der Hula-Tanz spannender war, wird sich am 25. April zeigen, wenn eine fliegende Wahlkommission die Seniorenpension besucht.
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