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Zwischen Hoffen und Bangen

Von Ines Scholz

Politik

Oft schon wurde Papst Johannes Paul II. totgesagt - und immer wieder belehrte er die Hiobsbotschafter eines Besseren. Auch den 30-minütigen operativen Eingriff an der Luftröhre am Donnerstag im Gemelli-Spital in Rom hat er gut überstanden. Dennoch wird sein Gesundheitszustand aufgrund des jüngsten Grippe-Rückfalls, der zu seiner schweren Parkinson-Erkrankung noch hinzukommt, als kritisch eingestuft.


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Nach dem Erwachen aus der Narkose war der 84-Jährige gleich zu einem kleinen Scherz aufgelegt. "Was haben sie mir angetan!", schrieb er seinen Mitarbeitern scherzhaft auf einen Notizblock. Der stimmlose Pontifex wird die Kirche in den nächsten Tagen oder gar Wochen mit Stift und Papier regieren müssen. Die Utensilien liegen auf seinem Bett jedenfalls bereit.

Auch sonst verstreut der Vatikan Zuversicht. Der post-operative Zustand des Papstes wurde als den Umständen entsprechend gut dargestellt. Er habe nach seinem Frühstück - "Milchkaffee und Kekse" - den Vorsitzenden der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Camillo Ruini, empfangen und sei fieberfrei. Lungenentzündung liege keine vor, heißt es in dem gestern veröffentlichten Bulletin. Noch ungewiss war allerdings, ob der Pontifex am Sonntag - wie schon vor drei Wochen - vom Krankenhaus aus seinen Segen im Rahmen des wöchentlichen Angelus-Gebetes erteilen wird. Die Entscheidung soll erst am Samstag fallen.

Gefahr eines Lungenödems

Weitaus kritischer als die Geistlichen sehen Mediziner den Gesundheitszustand des seit Anfang der 90er Jahre an der unheilbaren Parkinson-Krankheit leidenden Papstes. Der Grippe-Rückfall deute darauf hin, das sein Immunsystem nicht mehr gegen Infektionen gewappnet sei. "Hauptrisiko in solchen Fällen ist ein Lungenödem, eine Art Ertrinken der Lungen, unglücklicherweise in der Regel das letzte Zeichen", warnte der Turiner Neurologe Bruno Bergamasco in der Turiner Tageszeitung "La Stampa".

Auch der frühere Anästhesist des Pontifex, Corrado Manni, äußerte sich besorgt - und ermahnte seinen einstigen Patienten zu mehr Ruhe. Zu viel Stress und die Parkinsonsche Krankheit zerstörten den Organismus des Papstes. "Seinem persönlichen Sekretär, Bischof Stanislaw Dziwisz, hatte ich es bereits vor zehn Jahren gesagt: 'Wer dem Papst nahe steht, muss ihn überzeugen, den Stress zu reduzieren.' Doch ich habe den Papst kennengelernt, es ist schwierig, ihn zu überzeugen, wenn er einen anderen Beschluss gefasst hat", meinte Manni in demselben Blatt.

Große Anteilnahme weltweit

Genesungswünsche für den Papst trafen derweil aus aller Welt ein. Italiens Staatschef Carlo Azeglio Ciampi wünschte ihm eine baldige Besserung. "Ich hoffe, den Papst wie geplant am 29. April im Quirinalpalast zu sehen". US-Präsident George W. Bush wünschte ihm ebenfalls gute Besserung.

Wie zahlreiche Geistliche in aller Welt riefen auch Kardinal Christoph Schönborn als Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz und der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser zum "Gebet für den Heiligen Vater" auf. Polnische Pilger brachten Blumen ins Gemelli-Krankenhaus. In Rom versammelten sich hunderte Gläubige. Auch in vielen katholischen Kirchen in Indien und auf den Philippinen wurden für ihn Gottesdienste abgehalten.