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Zwischen Sekretärin und Friseurin: Die fatale Berufswahl vieler Mädchen

Von Brigitte Pechar

Analysen

Die Einkommensschere klafft immer stärker auseinander. Frauen verdienen in Österreich weniger als Männer und das nicht nur, weil sie häufiger in Teilzeitjobs beschäftigt sind. Auch wenn man die Bruttoeinkommen ganzjährig Vollzeitbeschäftigter miteinander vergleicht, gibt es starke Differenzen zwischen den Geschlechtern.


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So haben vollbeschäftigte Frauen laut Statistik Austria 2005 im Durchschnitt nur 78 Prozent des Männer-Einkommens verdient. Bei der Berücksichtigung aller Beschäftigungsverhältnisse liegt dieser Wert bei nur 60 Prozent.

Regierungspolitikerinnen gehen jetzt gemeinsam daran, Druck auf die Männerwelt auszuüben - siehe Frauenministerin Bures und Staatssekretärin Marek. Voraussetzung für alle anderen Maßnahmen sind ausreichende und vor allem zeitlich flexible Kinderbetreuungsplätze - angepasst eben an die Arbeitswelt, die auch immer flexibler wird.

Allzuoft wird bei der Diskussion um die Kinderbetreuung vergessen, dass diese nicht mit sechs Jahren enden kann. Ganztagsschulen sind in Österreich aber nach wie vor Mangelware (in Wien gibt es keine einzige öffentliche Ganztags-AHS) und die angebotene Nachmittagsbetreuung an den Schulen lässt sehr zu wünschen übrig. Aufsicht alleine - denn das ist es, was die Nachmittagsbetreuung bietet - führt zu keiner Entlastung der arbeitenden Eltern und trägt auch wenig zu einem gedeihlichen Familienleben bei. Im Idealfall sollten sowohl Eltern als auch Kinder nach ihrer Arbeit Zeit füreinander haben.

Neben der Kinderbetreuung, die für Frauen Voraussetzung für einen Wiedereinstieg und vor allem für ihren Berufsaufstieg ist, gibt es aber noch eine Unmenge anderer Barrieren. Teilweise werden diese von den Frauen selbst errichtet: In Österreich gibt es zwar ungefähr 400 unterschiedliche Ausbildungsberufe, 275 davon sind Lehrberufe. Trotz dieser großen Auswahl, drängen 73 Prozent der Mädchen in nur zehn Lehrberufe. Die Top-drei-Bereiche sind Einzelhandel (10.305 Mädchen, Zahlen bezogen auf Lehrlinge 2006)), Friseurin/Stylistin (5476 Mädchen) oder Bürokauffrau (5262 Mädchen). In diesen Berufen sind mehr als 50 Prozent der weiblichen Lehrlinge.

Wie fatal sich diese Berufswahl auf das Einkommen auswirkt, zeigen Beispiele: Eine KFZ-Technikerin verdient im vierten Lehrjahr bereits um 186 Euro mehr als eine ausgelernte Einzelhandelskauffrau.

Eine Maschinenbautechnikerin verdient im dritten Lehrjahr um 265 Euro mehr als eine Friseurin im dritten Lehrjahr. Eine Elektronikerin verdient bereits im ersten Lehrjahr 187 Euro mehr als eine Zahntechnikerin.

Der am kommende Donnerstag angesetzte Girls Day ist ein Mittel, Mädchen andere Berufe näher zu bringen. Daneben sind Schulen gefordert, Berufsorientierung ernst zu nehmen und die im Lehrplan dafür vorgesehene Zeit auch zu nützen. Dazu braucht es Lehrer, die sich in der Arbeitswelt auf dem Laufenden halten. Seite 5