)
Österreich steht plötzlich als Land, das sich bewusst gegen Atomkraftwerke ausgesprochen hat, vorbildhaft in Europa da. Dabei war es ausgerechnet dieser "Atomsperrvertrag", der in der EU die nationale Eigenständigkeit in diesem Bereich festzurrte. Nur so war es möglich, dass Österreich sein damaliges "Spezialgesetz" im EU-Regelwerk halten konnte. Nun ist es erneut Österreich, das nationale Alleingänge in der friedlichen Nutzung der Atomenergie in der EU beenden könnte. Die Überprüfung aller 143 Atomkraftwerke ist ein richtiger Schritt. Russland sollte sich dem anschließen.
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 14 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Die EU-Einigung wurde zweifellos erleichtert, weil in Deutschland die CDU/FDP-Koalition hektisch (aber wohl erfolglos) versucht, bei der Regionalwahl in Baden-Württemberg keine verheerende Niederlage einzufahren. Aber wie es heißt: Wenn der Zweck erreicht wird, rückt das Motiv in den Hintergrund. Deutschland nimmt vorerst sieben alte Meiler vom Netz, Frankreich wird sich der Diskussion nicht dauerhaft entziehen können.
Umso mehr als eine Tatsache unleugbar in der Gegend steht: Wenn alle Atomkraftwerke so sicher sind, warum stehen sie dann nicht mitten im jeweiligen Land, sondern in aller Regel nahe an der Grenze zum Nachbarstaat? Das Floriani-Prinzip gilt auch für Technologien, die im Ernstfall nicht zu beherrschen sind. Was eine der Hauptursachen der - bei der europaweiten Überprüfung - unweigerlich auftretenden Mängel sein wird: Atomkraftwerke, vor allem ältere Reaktoren, sind für die Energiekonzerne wahre Gelddruckmaschinen. Die Gewinne daraus sind beträchtlich. Sicherheit kostet Geld, reduziert diese Gewinne.
Das Risiko indes ist, wie die Katastrophe in Japan zeigt, noch beträchtlicher. Und es gibt niemanden, der dieses Risiko beherrschen oder versichern kann. Wer rechtfertigt die schwere Verstrahlung jener 50 Mitarbeiter, die im Atomkraftwerk Fukushima ausharren müssen, um verzweifelt gegen mehrere Kernschmelze anzurennen?
Das vom deutschen Wirtschaftsminister Brüderle am Dienstag genannte Argument, Energiepreise würden steigen, wenn auf Kernenergie verzichtet wird, ist im Angesicht des japanischen Leids purer Zynismus. Solche Politiker finden sich weltweit, auch in Japan. Mit ein Grund für die Katastrophe.

)
)
)