Der Neoliberalismus bestimmt unsere Zeit, das kann einem gefallen oder nicht. Eine Begleiterscheinung des allumfassenden Leistungs- und Konkurrenzdenkens im Rahmen einer unerbittlichen Marktlogik ist das weltweite Wachstum der Ungleichheit. Die übliche Maßzahl für die Ungleichheit ist der GINI-Koeffizient. Er reicht von 0 (jeder hat gleich viel vom gesamten Vermögen) bis 1 (einem gehört alles).

Je näher bei Null der Index ist, umso weniger groß ist die Ungleichheit. Betrachtet man allein die Einkommensverteilung, dann steht Österreich ganz gut da. Der Gini-Index unseres Landes pendelt seit Jahren um die Zahl 30, in Südafrika liegt er bei 63. Rechnet man die Geld- und Sachvermögen zusammen, sieht es freilich schon ein wenig anders aus: Die Sach- und Geldvermögen weisen gemeinsam einen GINI-Koeffizienten von 0,76 auf. Bei der Vermögensverteilung ist die Ungleichheit in Österreich besonders auffällig, konstatiert etwa die Arbeiterkammer. Das oberste Prozent der Bevölkerung besitzt 22,6 Prozent des gesamten Nettovermögens. Die obersten 20 Prozent besitzen sogar 72,8 Prozent des Gesamtvermögens. Umgekehrt nennt die ärmere Hälfte Österreichs gerade einmal 3,6 Prozent des Gesamtvermögens ihr eigen.

Weltweit gibt es kaum ein Land, in dem sich diese Kennzahl der Ungleichheit nicht jedes Jahr vergrößert.

Ein Begleiterscheinung der wachsenden Ungleichheit ist die starke Vermehrung der Milliardäre. Der Reichtum dieser Welt konzentriert sich in immer weniger Händen. Für die Superreichen gibt es in der globalen Wirtschaft keine Grenzen, weder geographisch noch fiskalisch. Sie könnten überall hin und es sich dort gut gehen lassen.

Seit jeder dürfte die Zahl der Milliardäre und das Ausmaß der Ungleichheit korreliert sein. Vor dem Ersten Weltkrieg nahm die Ungleichheit stark zu. Nach dem zweiten Weltkrieg sank sie, und den späten 1980er-Jahren stieg sie erneut an. Und ähnlich verhält es sich mit dem Wachstum der Milliardärs-Kaste.

Statistik: Anzahl der US-Dollar-Milliardäre weltweit von 1992 bis 2019 | Statista
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Das dürfte nicht weiter überraschen. Erstaunlich ist aber, dass es einen Zusammenhang zwischen Milliardärsdichte und Gini-Koeffizienten gibt. Milliardäre, so scheint es, bevorzugen Länder mit geringeren Einkommensunterschieden. Sie sind zwar auch in Steueroasen wie Guernsey, Hongkong, Monaco und Lichtenstein anzutreffen. Dennoch ist die Milliardärsdichte in einigen Ländern am höchsten, die als Hochsteuerländer gelten, wie zum Beispiel Dänemark und Schweden. In Bosnien, Estland oder Kasachstan wären die Einkommenssteuern um vieles niedriger, aber das scheint nicht für allzu viele Milliardäre Grund genug zu sein, sich dort anzusiedeln. Offensichtlich schätzen auch die Superreichen eher Länder, die sich durch eine hohe Lebensqualität, stabile soziale Verhältnisse und eine relativ ausgewogene Vermögensverteilung auszeichnen.