Video-Schauen dient meist dem Vergnügen, wie die Liste der meistgesehenen Youtube-Videos aller Zeiten (Zugriffe in Milliarden) zeigt:

Statistic: Most popular YouTube videos based on total global views as of December 2019 (in billions) | Statista
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Egal, ob U-Bahn, Sehenswürdigkeiten oder Strandcafes: Überall starren Menschen in ihr Handy. Oder sie machen Fotos damit. Oder lassen sich von Musik berieseln. Telefoniert wird auch gelegentlich. Das Smartphone hat sich tief in die Privatsphäre des Menschen geschmuggelt. Es ist auf allen Kontinenten allgegenwärtig, zu allen Zeiten und in allen Zonen.

Doch jeder Klick, jede Suchanfrage, jede Interaktion verbraucht ein kleines bisschen Strom. Und diese kleinen, ja winzigen Zahlen summieren sich ins Riesenhafte. Das Handy mag für sich genommen nur ganz wenig Strom zu seinem Betrieb benötigen, aber seine Herstellung hat einige Energie verschlungen. Und es existiert ja nicht für sich alleine. Hinter allen bequemen Kommunikationsfunktionen stehen Daten- und Rechenzentren, deren Computer auch Strom benötigen und dabei so viel Wärme erzeugen, dass sie unter großem Energieaufwand gekühlt werden müssen. Und auch die Mobilfunknetze benötigen zu ihrem Betrieb Strom.

Auf die globale IT-Branche entfallen etwa sieben Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. Und immer wieder erfindet die IKT-Branche neue Energiefresser. Das weltweite Schürfen von Bitcoins benötigt angeblich so viel Strom wie ganz Dänemark. Und das "Internet of Things" steht gerade erst in den Startlöchern. Im Jahr 2050 werden, so eine Prognose, 50 Milliarden Geräte online sein.

Das Internet wächst, und mit ihm sein Beitrag zum weltweiten Energieproblem. Alle ein bis zwei Jahre verdoppelt sich die Datenhalde. Millionen Bilder und Filme werden jede Stunde produziert, verbreitet und angeschaut. Im Jahr 2022, prognostiziert der Netzwerk-Ausstatter Cisco, könnten Online-Vidoes 82 Prozent des privaten Netzwerk-Verkehrs ausmachen. Und im neuen Jahr steht der nächste Rekord bevor: Es werden voraussichtlich eine Million Video-Minuten pro Sekunde durch das Internet gejagt.

Dieses Streaming kostet Energie. Eine französische Studie (The Shift Project) kam zu dem Schluss, dass eine Stunde Video-Streaming halb so viel Strom verbraucht wie ein Backofen. Andere Wissenschaftler halten diese Größenordnung zwar für übertrieben, aber auch konservative Analysen enthalten große Zahlen: Der deutsche Energiekonzern e.on schätzt den Stromverbrauch, der global für das Streamen anfällt, auf 200 Milliarden kWh Strom pro Jahr. Das entspricht der gesamten Ökostrom-Produktion Deutschlands.

Das Shift Project schlägt fordert deshalb, das Video-Streaming auf eine Stunde pro Tag zu beschränken. Und plädiert für "digitale Nüchternheit". Das bedeutet, so der Hauptautor der Studie, Maxime Efoui-Hess, "unsere Verwendungen und Konsum-Muster so neu zu erfinden, dass sie mit den klimatischen Bedingungen vereinbar sind".

Die gegenwärtige Aufteilung der Online-Videos nach Nutzung (Quelle: Shift Project):