"Schau auf dich, schau auf mich" - diesen Befehl der Bundesregierung befolge ich echt brav. Besonders den Teil mit dem Schauen. Ich beobachte die Menschen also sehr genau. Ob und wie sie ihre Maske tragen. Und wenn auch nur das Nasenspitzl rausschaut... - zücke ich mein Rohrstaberl.

In Gedanken, natürlich. Weil wo, bitte, krieg ich ein ein Meter langes Rohrstaberl her, um den Mindestabstand einhalten zu können? Außerdem bin ich eine extrem konfliktscheue und harmoniebedürftige Sittenwächterin, die hinter ihrem Mund-Nasen-Schutz (MNS) höchstens den Mund aufmacht, wenn wieder wer mit nackter Visage in der U-Bahn sitzt. Rauskommen tut dann allerdings NIX aus dem Mund. Dabei würde ich solchen Leuten am liebsten gleich an Ort und Stelle die österreichische Staatsbürgerschaft aberkennen. Diesen Exhibitionisten genauso, denen der MNS dauernd unters N rutscht. Aber ich sag ja nix. (Dass sie gefälligst ihr Gesichtsspatzi wegpacken sollen und sowieso öffentlich ausgepeitscht gehören.) Ich denk’s mir bloß. Oder können die sich nicht entscheiden zwischen Meuterei und blindem Gehorsam und machen einfach beides? Widerstandsopportunisten eben. Klingt nach einer österreichischen Lösung.

Moment. Da war doch einmal was mit einem Verhüllungsverbot. "Wer an öffentlichen Orten oder in öffentlichen Gebäuden seine Gesichtszüge durch Kleidung oder andere Gegenstände in einer Weise verhüllt oder verbirgt, dass sie nicht mehr erkennbar sind, begeht eine Verwaltungsübertretung und ist, bla, bla, bla, zu bestrafen." Gilt das überhaupt noch? Wahrscheinlich schon. Die Ausnahmen, dass wir uns nämlich beim Einkaufen und in den "nicht ortsfesten Einrichtungen" des öffentlichen Verkehrs maskieren müssen, die bestätigen ja lediglich die Regel.

Jedenfalls sollte mich dieses Gesetz eigentlich vor diesen vollverschleierten Frauen schützen, die mit ihrem passiv-aggressiven, antifeministischen Outfit meine Werte gefährden, also vor so einer, die unlängst in eine "nicht ortsfeste Einrichtung" der Wiener Linien (in die U4) eingestiegen ist. In der ALTEN Normalität hätte ich ihr einen bösen Blick zugeworfen, der die Botschaft beinhaltet hätte: "He, Sie übertreten grad die Verwaltung!" In der NEUEN Normalität, in Zeiten von Hinterglas-Politikern und Hinterglas-Supermarktkassierinnen, TRÄGT die gar keinen Niqab. Das ist plötzlich ein Mund-Nasen-Schutz. Und der dient bekanntlich primär dem Schutz der anderen. Die BESCHÜTZT mich, hallo? Wäre sie eine Gefährderin, würde sie das Ding doch ablegen. Weiß sie hoffentlich eh, dass sie sich die Hände waschen muss, wenn sie den MNS daheim abnimmt? Und er muss nach jedem Gebrauch ausgekocht werden und ist bis dahin in einem verschließbaren Plastikbeutel aufzubewahren.

Ein Argument gegen das "Verbot der Verhüllung des Gesichts in der Öffentlichkeit" war ja stets: "Dann dürfen die gar nimmer raus." Und jetzt dürfen sie unverschleiert nirgends REIN (in kein Geschäft, nicht in die Öffis . . .). Tja, offensichtlich hat das C-Virus mehr für ihre Integration getan als dieses Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz und jeder Wertekurs. Weil das Wertvollste halt immer noch die Gesundheit ist.