Manchmal kann die Untersuchung unscheinbarer Objekte durchaus spektakuläre Ergebnisse erbringen. So haben Forscher der California State University jüngst Mineralablagerungen von zwei Stalagmiten aus der nordiranischen Kuna-Ba-Höhle untersucht, die etwa 300 Kilometer südöstlich der altassyrischen Hauptstadt Ninive gelegen ist. Dadurch konnten sie die klimatischen Veränderungen dieser Region über fast 4000 Jahre nachvollziehen, auch in jener Epoche, in der hier das erste Großreich der Geschichte existierte.

Im 8. Jahrhundert vor Christi schwangen sich die Assyrer zu Herren weiter Teile des Mittleren und Nahen Ostens auf und schufen schließlich einen Machtbereich, der von Ägypten über Palästina bis in die heutige Türkei und im Osten bis an den Persischen Golf reichte. Die assyrischen Herrscher waren ob der militärischen Schlagkraft ihrer Heere gleichermaßen gefürchtet wie bewundert, erbrachten aber auch kulturelle Großleistungen: Monumentale Skulpturen und Reliefplatten assyrischer Künstler gehören noch heute zu den Highlights des British Museum in London, das sie in den späten 1840er und 1850er Jahren als Resultat der staatlich finanzierten Expeditionen Sir Austen Henry Layards in den Mittleren Osten erworben hatte.

Möglich wurde die kulturelle Blütezeit des assyrischen Reiches nicht zuletzt aufgrund günstiger klimatischer Verhältnisse. Wie die kalifornischen Wissenschafter nachweisen konnten, gab es in Assyrien jahrzehntelang reichlich Niederschlag, der den Ackerbau auch in bis dahin brachliegende Landstrichen brachte. Und so konnte der assyrische König Assur-bani-apli verkünden: "Während meiner Regierungszeit kam der Überfluss massenhaft herab, während meiner Jahre stürzte reichlich Segen hernieder." Die Ernährung der Bewohner und die Versorgung des Heeres stellten daher kein Problem mehr dar.

Dies änderte sich jedoch im Laufe seiner Herrschaftszeit dramatisch. Unruhen und Kämpfe mit benachbarten Machthabern erschütterten den assyrischen Staat. Bisher hatten Historiker dafür u.a. soziale Unruhen verantwortlich gemacht. Doch die treibende Kraft hinter den Aufständen war wohl der durch ausbleibende Ernten hervorgerufene Hunger.

Die Dürre, die den Niedergang herbeigeführt hatte, zählt zu den verheerendsten in der Region aller Zeiten. Vergleichbar, so die Autoren der Studie, nur mit jener klimatischen Entwicklung, die Meteorologen seit den 1980er Jahren beobachten: Steigende Temperaturen und sinkende Niederschlagsmengen erschweren auch heute das Überleben in jener Region, die vor Jahrtausenden Wiege der menschlichen Hochkulturen war.