Die Hoffnung auf einen halbwegs normalen Sommer war kurz und trügerisch. Auf den schnellen und harten Lockdown im Kampf gegen das Coronavirus und die sich daran anschließende Phase schrittweiser Öffnungen kommt es jetzt schon wieder reihum zu regionalen Verschärfungen.

Die Bandbreite reicht - und das sind nur die Nachrichten vom Mittwoch - von einer sechswöchigen Ausgangssperre im australischen Melbourne über eine strenge Maskenpflicht, die auch im Freien gilt, in Barcelona und neuen Reisewarnungen für Südosteuropa bis hin zur Rückkehr der Masken in Oberösterreich sowie einer Ankündigung der Kärntner Landesregierung, dass in gewissen Partyzonen nach 21 Uhr Mund- und Nasenschutz gilt.

Dabei ist insbesondere die Kärntner Entscheidung bemerkenswert, zählte das Land am Mittwoch doch lediglich 14 an Covid-19 erkrankte Personen (Oberösterreich zählt im Vergleich dazu 427 und Wien 346). Dieses Gefühl der relativen Sicherheit verführt jedoch, es ist immer die ewig gleiche Geschichte, zu Leichtsinn: Wirte, die auf Abstandsregeln pochten, werden von feierwütigen Gruppen ausgelacht und angepöbelt. Wer sich über die Wirkung von Berichten und Bildern von Partyexzessen in internationalen Medien im Falle eines Corona-Clusters nicht sicher ist, möge einmal kurz "Ischgl" (mit g!) googeln. Österreich gilt derzeit als halbwegs sichere Destination, und zumindest die Kärntner wollen sich diese Chance nicht nehmen lassen. Die Maskenpflicht dient hier der Abschreckung konkreter Zielgruppen.

Aber womöglich überschätzt die Politik ohnehin ihre Möglichkeiten. Der bisherige Verlauf der Pandemie hat gezeigt, dass der Maßnahmenmix, für den sich die einzelnen Staaten entschieden haben, vor allem die Zahl der Infizierten, Kranken und Toten beeinflusst hat - positiv wie negativ. Dagegen lassen sich, Stand heute, kaum ökonomische Auswirkungen feststellen. Ob ein Lockdown verfügt wurde oder nicht, ob gemäßigt oder radikal, der Wirtschaftseinbruch erfolgte überall mehr oder weniger in einem vergleichbaren Ausmaß. Und die Unterschiede, die es gibt, haben wenig mit den Corona-Maßnahmen zu tun. Das zeigt insbesondere das Beispiel Schwedens, wo trotz geöffneter Geschäfte und Lokale die Menschen nicht konsumierten.

Also eh alles wurscht? Nein, keineswegs. Die Politik überschätzt ihre Macht, wenn es um die Verhinderung des Absturzes geht, aber beim Weg zurück kommt es sehr wohl auf die Regierenden an. Aber allein auf sich gestellt, wird keiner Bäume ausreißen. Nicht Österreich, nicht Europa.