Da wartet man darauf, dass man nach Wochen endlich wieder was anderes zu sehen, zu lesen oder hören bekommt als: Corona, Kurve, Corona, Antikörper, Corona, Maske, Corona, Babyelefant, Corona, Cluster, Corona und obendrein Corona. Und dann sickern endlich auch wieder andere Meldungen durch das mediale Sieb. Wie zum Beispiel: ein neues Buch über Donald Trump, das ihn als narzisstisch gestörten, ständig lügenden, frauenverachtenden, autoritären, verantwortungslosen Megadillo darstellt, der von sich selbst glaubt, ein "Genie" zu sein (Wo ist die Neuigkeit?).

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Da blättert (oder scrollt) man doch lieber gleich weiter. Dorthin, wo es um Sex, Crime und saftige Details geht: zu den Wirtschaftsnachrichten. Da wird man dieser Tage auch ordentlich bedient. Ein "Finanzunternehmen" genannte Wechselstube, die ein Österreicher im Jahr 2000 in Berlin gegründet hat und die die letzten 20 Jahre enorm gewachsen ist, hat ein bisschen Probleme. Weil sie zum Beispiel 1,9 Milliarden Guthaben ... wie soll man es sagen ... sich ausgedacht hat. Und Guthaben, das man sich herbeifantasiert, ist ... na? Genau: Kein Guthaben, sondern ein Grand Canyon in der Bilanz. Und da stehen jetzt alle und schauen in diesen Abgrund. Die Börse, die BaFin und demnächst vielleicht auch jene Beamten, die sich für Geldwäsche interessieren. Und so lange sie da auch hineinblicken, sehen sie alle eines nicht: den Chief Operating Officer der Firma. Das ist ein sehr langes englisches Wort für: Geschäftsführer. In Mafia-Kreisen würde man von dem sprechen, der die Drecksarbeit erledigt. Und dieser Mann ist ebenfalls Österreicher und verschwunden.

Dem nicht genug, gibt es jetzt auch Meldungen, dass derselbe Mann mit Geheimdienstdokumenten geprahlt haben soll (dazu sind ja Geheimpapiere bekanntlich da, um mit ihnen bei den Kumpels in der Londoner City mal ordentlich auf den Tisch zu hauen), in denen es um Formeln von Nervengas geht (ein wunderschönes Thema für eine gesittete Abendgesellschaft). Und - es geht noch weiter! - womöglich hat der hochseriöse Mann auch noch geheime Informationen aus dem Innenministerium und dem Verfassungsschutz an die "Fürchterlich Peinliche Öffentlichkeit" (FPÖ) weitergegeben. Mit in diesem Dunstkreis dabei: Johann "ich hab meine Kontaktlinse am Couchtisch verloren" Gudenus, Ernst "very good combination" Strasser und ein Herr, der Generalsekretär der Österreichisch-Russischen-Freundschafts-Gesellschaft ist. Und so - wenn man den Berichten Glauben schenken darf - verbindet dieser freilaufende Geschäftsführer aufs eleganteste eine der größten Firmenpleiten Deutschlands mit dem BVT-Skandal und dem gesamten Ibiza-Komplex. Wenn ich Krimi-Autor wäre, ich würde mich erschießen. Wie soll man denn das noch fiktional toppen? Durch einen Plot, in dem Herbert Kickl ein Cyborg aus russischer Produktion ist, den der chinesische Geheimdienst ins Innenministerium geschmuggelt hat, um HC Strache zu überwachen, weil der in Wahrheit der Urgroßneffe des letzten Zaren ist und geheime Waffengeschäfte mit dem Sultan von Brunei abwickelt, streng beobachtet vom besten Mann der CIA in Österreich - dem Hund von Van der Bellen. So? So würde das vielleicht Donald Trump machen. Dann eben wieder Corona, Corona, Corona.