Hier an der Golfküste der USA stecken wir mitten in einer Hurrikan-Saison, die noch nie so heftig war wie im heurigen Jahr. An der Westküste gibt es unzählige Feuersbrünste in der Natur, die so viele Menschen wie nie zuvor betreffen. Und dazu haben wir einen Präsidenten, der sich über die Wissenschafter lustig macht, die solche Naturkatastrophen auf Grund der globalen Erderwärmung seit 30 Jahre voraussagen. Das Weiße Haus tut so, als ob das ganze Nichts die Regierung anginge, obwohl die USA der weitaus größte CO2-Verschmutzer der Erdatmosphäre ist.

Günter Bischof unterrichtet seit 30 Jahren amerikanische Geschichte an der Universität von New Orleans und lebt mit seiner Familie in der "Huricane Alley" in Süd-Louisiana. Er ist auch Direktor des dortigen "Center Austria: Austrian Marshallplan Center for European Studies". 
 - © privat
Günter Bischof unterrichtet seit 30 Jahren amerikanische Geschichte an der Universität von New Orleans und lebt mit seiner Familie in der "Huricane Alley" in Süd-Louisiana. Er ist auch Direktor des dortigen "Center Austria: Austrian Marshallplan Center for European Studies".

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Ich schreibe diesen Kommentar zur selben Zeit, als der Hurrikan "Sally" die Golfküste von Mississippi bis Florida bedroht (er ist in Gulfshores, Alabama, mit der Stärke 2 auf Land treffen, also mit rund 150 km/h Windgeschwindigkeit). Für die nächsten drei Tage werden bis zu 1 Meter Niederschläge vorausgesagt, was zu massiven Überschwemmungen führen wird. Zudem treibt "Sally" eine meterhohe Sturmwelle vor sich her, die an der Küste viel Schaden anrichten wird. Und dabei sind fünf weitere tropische Stürme im Atlantik unterwegs und das Zittern beginnt, welchen Weg sie einschlagen werden.

Hier im südlichen Louisiana sind wir den Hurrikans besonders ausgesetzt. Schon im Juli ist "Christobal" über uns hinweggefegt, einer der frühesten Stürme mit einem Namen. Vor zwei Wochen hat uns Hurrikan "Laura" bedroht und ist dann als ein Sturm der Stärke 3 (also ca. 175 km starke Winde) in West-Louisiana an der Grenze zu Texas auf Land getroffen und hat in der Stadt Lake Charles massive Verwüstungen angerichtet (zehntausende von Menschen haben bis heute keine Elektrizität und das bei täglichen Temperaturen von 35 Grad Celsius und mehr).

Die Hurrikan-Zeitrechnung

Ein paar Tage, nachdem "Laura" an Land ging, war hier in New Orleans das Andenken an den Hurrikan "Kathrina" vom 29. August 2005. "Kathrina", der auch die Stärke 3 hatte, als er auf Land traf, überschwemmte und zerstörte große Teile von New Orleans und kostete rund 1.800 Menschen das Leben. Es gibt eine Zeitrechnung hier in Süd-Lousiana, die sich an den zerstörerischsten Hurrikans orientiert: "Betsy" 1975, "Camille" 1979, und "Kathrina" 2005 – alle mit hübschen Mädchennamen.

Jeder Sturm desorientiert die Menschen an den Küsten der Karibik und des Golfes von Mexiko und hält sie tagelang in Atem. Meist wird man Tage zuvor vom Nationalen Wetterdienst und dessen Hurrikan-Center in Miami (Florida) gewarnt. Das Hurrikan-Center schickt Flugzeuge ins Auge der sich zusammenbrauenden Stürme, um den Luftdruck zu messen und Voraussagen über die zu erwartende Wegstrecke des Sturmes zu machen. Wenn ein Sturm dann in den Golf von Mexiko kommt, beginnt das große Zittern entlang der Golfküste: Wo genau wird er auf Land traffen? Wie stark wird er im warmen Wasser des Golfes sich weiter aufladen und an Windstärke zulegen?

Beten um Rettung

Dies ist die Zeit, in der die Menschen zu beten beginnen. Jüngst meinte ein Bezirkshauptmann hier in Louisiana, die Bewohner seines Bezirkes hätten den Hurrikan "Sally", der im Moment Mississippi, Alabama und Florida bedroht, "weggebet". Die Menschen im Küstenstreifen, in dem "Sally" auf Land treffen wird, haben bestimmt auch fest gebetet. Auf wen wird die höhere Gewalt am Ende wohl erhören? Man sieht, neben der rationalen Wissenschaft, die Hurrikan-Strecken ziemlich genau voraussagen kann, greifen die Menschen auch zu transzendentalen Erklärungen.

Vor dem Sturm versucht man sich mit genügend Lebensmitteln, Wasser, Batterien, Benzin (für den Generator) etc. für ein paar Tage einzudecken. Meist zerstören die hohen Winde, die Überland-Elektrizitätsleitungen und man sitzt im Dunkeln und in der Hitze. Im ländlichen Süden werden keine Leitungen in der Erde verlegt. Nach dem Sturm beginnt dann meist das große Aufräumen – die hohen Windgeschwindigkeiten legen Bäume um, brechen Äste ab und richten sonstigen Schäden an – und das meist bei drückender Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit. Kein Wunder, dass in Lake Charles nach "Laura" Menschen an Überhitzung starben.

Und wenn der US-Präsident vom Unwetter betroffene Gegenden besucht, streitet er sich mit den Gouverneuren herum, ob die von der Wissenschaft konstatierte Erderwärmung für diese Naturkatastrophen schuldig ist, als ob das noch zur Debatte stünde. Trumps jüngster Sager, die Kalifornier könnten von den Österreichern in der Waldwirtschaft etwas lernen, zeugt auch nicht von tiefen wissenschaftlichen Kenntnissen, wenn man die Niederschlagsmengen in Österreich und Kalifornien vergleicht.