Es hat schon was. Man kann sich sein Lieblingsgetränk bereitstellen und sich am Chips-Sackerl gütlich tun. Man kann aufs Klo gehen, ohne dass ein Double sich auf den freigewordenen Platz im Auditorium setzen muss. Und man kann es sich im Jogger gemütlich machen oder, wenn man auf Abendgarderobe besteht, den Zipp diskret aufmachen, wenn es um die Leibesmitte nach ein paar Stunden Galasitzen doch drückt. Und wenn es etwas öde wird, kann man auch ein Nickerchen einlegen - eine Technik, die man nach Monaten Zoom- oder Teams-Videokonferenz-Erfahrung nun wirklich gelernt haben sollte. Also so eine Pandemie-Ausgabe einer Preisverleihung hat auch ihre Vorteile. Die Fernsehpreise Emmys haben am Sonntagabend vorgezeigt, wie die sogenannte Award-Season in Hollywood in der Covid-Ära aussehen wird.

Um infektionsgefährliche Menschenansammlungen zu vermeiden, blieben die Nominierten zuhause und erhielten ihre Preise dort überreicht. Als Zuseher hatte das einen zusätzlichen Reiz: War das wirklich der Garten von Reese Witherspoon, das Arbeitszimmer von Jennifer Aniston, und lebt Uzo Aduba wirklich mit ihrer Mutter zusammen, der sie ins Nebenzimmer zugerufen hat, dass sie gewonnen hat?

Auf lange Sicht mag sich diese Faszination legen, aber fürs erste hat man gesehen: Im Notfall geht auch das. Es ist eben eine Frage der Kreativität, wie zum Beispiel auch die Oscars mit der Situation umgehen werden. Aber das sollte - eigentlich - für diese Branche keine große Schwierigkeit sein.