Fast jeder zehnte Österreicher besitzt ein Motorrad, einen Roller oder ein Moped. In absoluten Zahlen sind das 830.000 Menschen, für mehr als ein Drittel davon ist ihr motorisiertes Zweirad ein Alltagsfahrzeug. Hätte man mich nach Statistik-Daten gefragt, meine Schätzung wäre weit niedriger ausgefallen - gilt doch ein derartiger fahrbarer Untersatz als Fetisch für Nachwuchs-Giacomo-Agostinis und Hobby-Hells-Angels. Und auch die Dorfjugend, die einst auf auffrisierten Puch-Cobras ihre Runden drehte, hängt heute vor der Playstation. Freilich ignoriert das viele Berufspendler, die täglich beachtliche Strecken mit ihrer Maschin‘ zurücklegen. Und in der Stadt ist man mit einer Vespa sowieso König (oder Queen).

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Grosso modo sind Zweiräder anno 2020 wohlgelittener als ihre vierrädrigen Pendants. Der Furor der Autohasser und Umweltschützer hat auch die Exemplare mit Verbrennungsmotor noch nicht recht erreicht. Oder doch?

Manche Motorradfans ärgern sich über Fahrverbote wie im Tiroler Außerfern. Dort gilt ein Stoppschild für Maschinen mit einem Standgeräusch von über 95 Dezibel. Im Sommer. Auf fünf Bergstraßen. Es wird gute Gründe dafür geben. Akustische Umweltverschmutzung wäre einer davon. Ob man darauf mit Streckensperrungen oder gar einem Wochenend- und Feiertagsfahrverbot reagieren soll, ist eine in der Szene (und im Motorradhandel) gerade heiß diskutierte Frage. Vielleicht wäre es g’scheiter, wenn eine Handvoll Heißsporne freiwillig Schalldämpfer anschraubt.

Lärm - oder sagen wir besser: ein auch aus einer gewissen Distanz deutlich vernehmbares Geräusch - ist aber nicht nur negativ zu werten. Die Explosionen im Zylinder eines Verbrennungsmotors, die für die Dezibel sorgen, haben auch eine Warnfunktion. Mir ist es jedenfalls lieber, von infernalischem Röhren und Heulen von einem rasch herannahenden Bike-Rowdy informiert zu werden, als etwa vor einem geisterhaft auftauchenden Radathleten nicht mehr rechtzeitig Reißaus nehmen zu können. Aber der Vergleich hinkt. Zugegebenermaßen ist das Selbstmordpotential der Benzinbrüder deutlich höher. Und die Geräte, die ihnen die Motorrad-Industrie in die Hände gibt, fordern Unvernunft heraus.

Wie wär’s damit, aus freiem Willen ein Downgrading zu machen? Und zwar eines, mit dem mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden? Es muss ja nicht gleich eine elektrische Harley Davidson sein. Ein Freund hat mir neulich einen Hinweis auf ein E-Motorrad namens Supersoco T-Max geschickt. Hier sorgt ein von einer Lithium-Ionen-Batterie versorgter Mittelmotor mit 5000 Watt für Vortrieb. Die Reichweite: rund hundert Kilometer. Führerscheinklasse B, vergleichbar mit einem 125 Kubik-Verbrenner, aber aufladbar an der Steckdose. "Für die City ideal und geht hervorragend!" jubelte der stolze Besitzer. "Für einen echten Motorradfahrer keine wirkliche Alternative!", regten sich rasch Gegenstimmen. Weil? "Die fahren nur echte Motorräder." Ah, ja. Aber die mögen auch Roller nicht wirklich.

Die Geräuschlosigkeit der Supersoco T-Max ist Vorteil und Problem zugleich. Aus oben genannten Gründen. Ausprobieren!