Die Welt dreht sich auch jenseits der sich dramatisch verschärfenden Corona-Pandemie weiter. Was eigentlich eine gute Nachricht sein könnte, ist in diesem Fall die Erinnerung, dass ein blutrünstiger islamistischer Terrorismus weiterhin mitten in Europa wütet.

Nach zwei tödlichen Anschlägen mit mindestens vier Toten hat Frankreich am Donnerstag die höchste Sicherheitswarnstufe ausgerufen. Aus ganz Europa kamen Solidaritäts- und Beileidskundgebungen, teils auch aus Staaten der islamischen Welt. In manchen dieser Staaten, allen voran in der Türkei, gibt es seit Tagen wütende Proteste gegen französische Produkte und Institutionen - zweifellos von staatlicher Seite inspiriert, wenn nicht gelenkt. Wie schnell solche inszenierten Massenkundgebungen in Fanatismus kippen, zeigte sich in Saudi-Arabien, wo am Donnerstag eine Wache vor dem französischen Konsulat mit einem Messer angegriffen wurde.

Der Auslöser für diese Eruption der Gewalt ist ein altbekannter. Das Recht auf Religionskritik, auch wenn sie verletzt (und was eben beides keine Pflicht ist), wie die Mohammed-Karikaturen von "Charlie Hebdo", ist für das säkularisierte Europa unveräußerlich. Frankreich werde weiterhin auf der Freiheit beharren, solche Karikaturen zu veröffentlichen, erklärte Staatspräsident Macron beim Begräbnis des Lehrers, der ermordet worden war, weil er anhand dieser Zeichnungen mit seinen Schülern die Idee der Meinungsfreiheit diskutierte. Der türkische Staatschef Erdogan, der zuhause vor einem wirtschaftlichen Scherbenhaufen steht, lässt seitdem keine Gelegenheit aus, sich zum Verteidiger des Islam gegen das säkulare wie christliche Europa aufzuschwingen und die Emotionen anzustacheln.

In diesem Konflikt um Freiheit, der tatsächlich vielmehr ein Kampf ist, gibt es keine einfachen Antworten und Lösungen. Aufgeben ist keine Option. Am Prinzip der Meinungsfreiheit ist nicht zu rütteln. Aber jeder Normalität wird auch erst dadurch lebenswert, dass nicht jedes Recht, das andere verletzen kann, als alltägliche Waffe gegen diese eingesetzt wird. Respekt und Rücksichtnahme sind ebenfalls stets gefährdete zivilisatorische Errungenschaften.

Der Islam, Millionen von Menschen muslimischen Glaubens, die ganz selbstverständlich hier leben, sind ebenso Teil der europäischen Wirklichkeit wie ein gewalttätiger Islamismus, der bereit ist, Kritik an seiner Religion mit Mord und Terror zu rächen. Es gilt, Erstere nicht zu diskriminieren und Zweitere mit der ganzen Kraft des Gesetzes zu verfolgen und mitsamt ihren Netzwerken und Hintermännern zur Rechenschaft zu ziehen.