Zwölf Tage nach der überraschenden Ankündigung von Massentests durch den Bundeskanzler zeichnet sich langsam ab, wie die Republik das "Lernprojekt" (© des Gesundheitsministers) angehen will. Wenig überraschend für Kenner wird das Riesenprojekt in neunfacher Ausfertigung umgesetzt - mit je nach Bundesland eigener Organisation und IT.

Am schnellsten wurde der Zeitplan versenkt, nach dem zunächst Pädagogen, dann Polizisten und schließlich der große Rest der Bevölkerung getestet werden sollten. Letztere ausgerechnet am Wochenende vor den Weihnachtsfeiertagen, was wiederum die FPÖ dazu verleitete, ihr eigenwilliges Verständnis von politischer Verantwortung mit dem Satz kundzutun, wer Weihnachten feiern wolle, solle sich nicht testen lassen. Auf einen positiven Test folgen nämlich 10 Tage Quarantäne.

So verantwortungslos ein indirekter Aufruf zum Boykott von Massentests mitten in einer Pandemie ist, so richtig könnte die zutiefst menschliche Schlussfolgerung vieler sein, wegen der Aussicht auf noch einsamere Weihnachten am Massentest lieber nicht teilzunehmen. Weshalb es nur vernünftig ist, die Tests für die Gesamtbevölkerung so früh in den Dezember zu legen wie möglich. Wien will diese etwa zwischen dem 2. Dezember und 13. Dezember abwickeln. Einige Länder werden womöglich beim 19./20. Dezember bleiben.

Eine Aufsplitterung über fast drei Wochen droht die Aussagekraft der Tests auszuhöhlen. Deren Wert liegt darin, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele auf eine Infektion zu prüfen und so unentdeckte Ansteckungsketten zu unterbrechen.

Die Bundesländer haben die - ohnehin allenfalls rudimentär vorhandenen - Pläne für ein bundeseinheitliches Vorgehen also schnell über den Haufen geworfen. Anders wäre das Projekt angesichts der Kurzfristigkeit auch kaum zu stemmen. Ob es nun mithilfe des Föderalismus gelingt, werden wir kurz vor Weihnachten wissen. Dann wissen wir auch, ob die Massentests auf Österreichisch wirklich sinnvoll waren. Und: Die Republik hat einen Ruf als Hochleistungsstaat in Sachen Organisations- und Improvisationskraft. Dieser Ruf steht in den nächsten Wochen auf dem Spiel.

Immerhin kann man sich auf anderes noch verlassen: Dass jetzt die türkise Verteidigungsministerin sagt, sie habe von den Testplänen des roten Wien aus den Medien erfahren, ist irgendwie schon wieder beruhigend. Genau das Gleiche haben schließlich die roten Länder über die türkise Testidee gesagt. Hoffentlich denken sich die Bürger, dass die Parteien ja eh nur spielen wollen. Und nicht auch noch zubeißen. Man muss sich trotzdem sorgen.