Dialog aus dem aktuellen McDonald’s-TV-Spot: Ein Bub, er trägt einen roten Pullover mit Rentiergeweih, fragt: "Habts ihr schon den McDonald’s-Adventskalender?" Ein Mädchen hat ihn schon und antwortet mit einer Gegenfrage: "Was ist denn bei dir drin?" - "Pommes geschenkt." - "Geil! Zahlt sich richtig aus, der Adventskalender!" Jetzt greift ein zweiter Bub korrigierend ein: "Leute, es heißt Adventkalender!"

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Dialog aus einem Gespräch mit WZ-Leser Robert Mandl, den ich bei einer Buchpräsentation kennengelernt habe und der mich am Telefon erreicht: "Heißt es ,Heiliger Abend‘ oder ,Heiligabend‘? Heute wird auf Seite eins der ,Wiener Zeitung‘ berichtet, dass ,noch vor Heiligabend‘ ein Gutteil der Bevölkerung getestet wird." Ich wollte es nicht glauben, nahm die Zeitung zur Hand und musste klein beigeben: "Natürlich heißt es in Österreich ,Heiliger Abend‘ - die zusammengehängte Form ,Heiligabend‘ ist in Deutschland üblich, sie wird bei uns als fremd empfunden."

Zerknirscht habe ich mich für den "Heiligabend" entschuldigt und mir vorgenommen, darüber zu schreiben. Gerade bei Begriffen, die mit dem Weihnachtsfest in einem Zusammenhang stehen, kennt der sprachbewusste Österreicher keinen Spaß, wobei ich annehme, dass viele Leser dieser Zeitung sprachbewusst sind. Ich beginne mit jenem Thema, das McDonald’s angerissen hat. Wir sagen Adventkalender, Adventkranz, Adventlieder, Adventsonntag, Adventzeit usw. In Deutschland wird ein -s- eingefügt. Mit diesem Fugen-s quält man uns Tag für Tag in der Fernsehwerbung. Nur die bei McDonald’s haben bemerkt, dass sie mit einem Werbespot, der auf den österreichischen Sprachgebrauch abzielt, punkten können.

Über die Kurzformel "Heiligabend" muss ich nicht viel Aufhebens machen. "Heiligabend" ist uns genauso fremd wie "an Weihnachten" - wir sagen "zu Weihnachten". Das Wort Weihnachten wird übrigens in Österreich und in Süddeutschland vorwiegend im Plural gebraucht - wenn es mit einem Attribut oder mit einem Artikel versehen ist, wird dies deutlich: Wir wünschen "Fröhliche Weihnachten!". Zwar ist "Fröhliche Weihnacht!" nicht falsch, aber die Singularform wirkt in Österreich hochgestochen. In der gesprochenen Sprache ist der Plural die gängige Form. Man vergleiche: "Diese Weihnachten / diese Weihnacht werden wir nicht vergessen!"

Gehen wir die Festtage der Reihe nach durch. Der 25. Dezember ist in Österreich und Bayern der "Christtag" - aufgrund der Annahme, dass Jesus Christus an diesem Tag geboren wurde. In der Mitte und im Norden Deutschland ist dieser Tag meist schlicht und einfach der "erste Weihnachtstag". Der "zweite Weihnachtstag" wurde bei uns und in Bayern nach dem Heiligen Stephanus benannt: "Stefanitag". Man kann auch sagen: "zu Stefani". Der Diakon gilt als der erste christliche Märtyrer.

Wichtig ist das -i- in der Wortmitte, es ist der lateinische Genitiv aus "Dies Sancti Stephani" - der Tag des Heiligen Stefan. Das führt auch zu einer anderen Betonung als in Deutschland, wo "Stefanstag" gebräuchlich ist. Und "Stefanstag" ist genauso schlimm wie "Heiligabend" und "an Weihnachten".