Die Pandemie hat uns derart im Griff, dass die halbe Welt mittlerweile einen Crash-Kurs in Virologie und Epidemiologie samt deren volkswirtschaftlichen Folgen intus hat. Und alle, die Corona für Betrug erachten, haben noch mehr Lebenszeit investiert, um in diesem Bewusstseinszustand anzukommen.

Das Problem dabei ist, dass nicht nur die menschliche Aufmerksamkeitsspanne Grenzen kennt, sondern auch die Medien. Zwar erfahren wir die Infektionszahlen jeder chinesischen Millionenstadt schneller als die Chinesen, auch über die Infektionen, Test- und Impfstrategien halten wir uns penibel auf dem Laufenden, nur dreht sich auch abseits der Pandemie die Welt schneller, als wir derzeit mit ihr Schritt halten. Deshalb eine höchst unvollständige Auswahl vernachlässigter Themen:

"Wir werden einen digitalen Euro haben", erklärte Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, unverblümt am Mittwoch. Nicht jetzt, aber ziemlich sicher in fünf Jahren, das Ding soll ja auch sicher sein. Man ahnt, dass die Welt des Geldes längst nicht den Scheinen und Münzen in der eigenen Geldbörse entspricht, und würde gerne sehr viel mehr über die Folgen und Risiken erfahren.

Italien, das Land, in dem sich die Zukunft der EU entscheidet, leistet sich mitten in der Pandemie den Luxus der üblichen Regierungskrise. Obwohl zur falschen Zeit, geht es ausnahmsweise um die richtige Sache: nämlich um die Gefahr, dass erneut ein großer Teil der historischen Finanzhilfen verschwendet und in dunklen Kanälen landen wird. Dies könnte Italiens letzte Chance sein, auf EU-Solidarität zu bauen.

Es war Krieg in Äthiopien im November, wahrscheinlich mit tausenden Toten und mit einem Friedensnobelpreisträger an der Spitze der Regierungstruppen, die in der Provinz Tigray einmarschierten. Es ging um alte Rechnungen, komplizierte Verhältnisse und die neue Machtverteilung. Das Übliche eben. Was sich tatsächlich zugetragen hat, ist schwer zu sagen. Weil Journalisten kaum Zugang hatten und Afrika weit weg ist.

Zahllose Analysen klären uns über die Rolle Donald Trumps für die Niederlage der Republikaner auf: Fast vergessen ist, dass die Konservativen bei der zentralen Wahl für das Abgeordnetenhaus mehr Stimmen gewonnen haben als der abgewählte Präsident. Es gelang ihnen vielerorts, den radikalen linken Flügel der Demokraten als Feindbild aufzubauen. Das wird der Hebel sein, der den Republikanern ohne Trump eine Perspektive auf die Macht in den USA bietet, was aber im Schock nach dem Sturm auf das Kapitol übersehen wird.