Die selbsternannten Widerstandskämpfer der Gegenwart scharen sich unter anderem auf Facebook. Das schaut dann so aus: Ein Pianist auf Corona-Abwegen behauptet, Ludwig van Beethoven (ausgerechnet dieser Hypochonder) hätte nie einen Mund-Nasen-Schutz getragen, vergleicht sich mit Hans Scholl, impliziert damit, die deutsche Regierung sei faschistoid, und fordert, man möge abweichende Meinungen zulassen. Einer widerspricht den Behauptungen. Worauf sich der Pianist mittels Sperre gegen den Meinungsabweichler wehrt. Dass etliche Künstler, die sonst bei Entscheidungen konservativer Regierungen schnell "Faschismus" und "Diktatur" rufen, dem Pianisten für seine verqueren Ansichten einen Hoch-Daumen spenden und sich damit in Gesellschaft mit AfD- und FPÖ-Befürwortern befinden, ist immerhin - sagen wir: interessant.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Und erst wenn’s um die Impfung geht: Da gerät manches Blut in rechte Wallung. Widerstand ist Pflicht. Tapfer ist, wer entlang des Brettes vor dem Kopf quer denkt. Wer sich und andere schützt, sei im Panikmodus und ein Schlafschaf (schlafen Schafe im Panikmodus eigentlich?). Belegt wird das mit YouTube-Videos von Köchen, Schlagersängern, irrlichternden Mikrobiologen und Bloggern, die akribisch in der eigenen Blase recherchieren. Als Höhepunkt wird Corona zum Mittel der natürlichen Auslese erklärt. Solidarität - ein Verbrechen. So sehen Widerstandskämpfer von heute aus.

Man muss ihnen Widerstand leisten.