Am Dienstag hat die Bundesregierung ihren Arbeitsbeginn an der zu entwickelnden neuen Standortstrategie mit dem Zeithorizont 2040 bekanntgegeben. Das Projekt ist Teil des türkis-grünen Regierungsübereinkommens, darüber hinaus gehende Erkenntnisse brachte die Pressekonferenz nicht wirklich.

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Weil der News-Kreislauf längst 24 Stunden sieben Tage die Woche bedient werden muss, erklärt die Politik nicht nur, was sie getan hat, sondern sogar schon, dass sie jetzt damit beginnt, sich über etwas Gedanken zu machen. Das hat weder der Bundeskanzler noch Türkis-Grün erfunden, und Journalisten können sich über inhaltliche Leerstellen natürlich beschweren, nur schafft die Politik eben auch nur dort ein Angebot, wo sie eine Nachfrage vermutet. Dass Schlagzeilen auch zwingend nach Inhalten verlangen, würde ohnehin keiner zu behaupten wagen.

Für die Sache einer Standortstrategie gilt: Genau darin besteht der Kern von Regierungsarbeit. So gesehen hätte man auch vermuten können, das Nachdenken und Entwickeln der Eckpunkte eines solchen mittel- und langfristigen Zukunftsplans sei der eigentliche Gegenstand von Koalitionsverhandlungen, die Umsetzung dann Aufgabe des Regierungsalltags. Offensichtlich stehen dem Druck und Zeitstress bei Koalitionsverhandlungen entgegen.

Inhaltlich finden sich im türkis-grünen Vorhaben all die richtigen Trigger-Worte und Fußball-Metaphern: "Champions League", Digitalisierung, Technologieführerschaft, ganz, ganz viel "Green Tech & Green Materials", Biotechnologie sowie natürlich - wir reden schließlich von Österreich! - "Lebensqualität, Kreativität und Kunst". Dagegen kann niemand etwas haben. Zudem stimmt, dass sich in Österreich ein starkes wirtschaftliches Fundament findet, auf dessen vorhandene Stärken sich auf- und weiterbauen lässt.

Das Vertrauen in die strategischen Planungsfähigkeiten der Koalition wäre allerdings größer, hätte der - nach Eigenauskunft der Regierung - Startschuss für das Nachdenken über die langfristige Standortstrategie nicht gerade einmal drei Wochen stattgefunden, nachdem die Regierung ein umfassendes Konzept für die Verwendung der Mittel aus dem EU-Wiederaufbaufonds präsentiert hat, das erst Ende vergangener Woche nach Brüssel geschickt wurde. Letzteres sollte sich schließlich als selbstverständliches Bauteil möglichst harmonisch in das Langfrist-Konzept einfügen. So stehen die beiden Großprojekte dieser Koalition isoliert nebeneinander.

Die Hoffnung lebt, dass es sich hierbei nur um ein Kommunikationsversagen handeln möge.