Das Duell zwischen den Niederlanden und der Ukraine war eines der höchstklassigen im bisherigen Turnier. Es sind zwei sehr schwierige Gegner, die auf Österreich zukommen. Die Niederlande sind im Spiel gegen Österreich in der Johan-Cruyff-Arena der klare Favorit. Die Mannschaft von Trainer Frank de Boer hatte ihr erstes Spiel eigentlich gut unter Kontrolle. Die 2:0-Führung nach zahlreichen Chancen war verdient, ehe die Ukraine innerhalb von nur vier Minuten zum überraschenden Ausgleich kam. Trotzdem konnte der Sieg noch eingefahren waren. Denn die Leistung im Offensivspiel war beachtlich gut. Im Ballbesitzspiel konnte eine hohe Dominanz erzeugt werden, und die Qualität der Offensivspieler Memphis Depay, Wout Weghorst und Georginio Wijnaldum sorgte ständig für Gefahr. Gut funktionierend war auch das Gegenpressing, wodurch sich die Niederlande über lange Phasen in der gegnerischen Spielhälfte festsetzen konnten. Wie stellt Franco Foda nun seine Mannschaft für das Spiel ein? Dafür brachte das Duell zwischen der Niederlande und der Ukraine einige interessante Erkenntnisse. Foda hat dabei grundsätzlich die beiden Optionen, zum 4-2-3-1 zurückzukehren, oder den Weg mit dem 5-3-2 aus dem Spiel gegen Nordmazedonien weiterzugehen. Die Ukraine spielte gegen das 5-2-1-2 der Niederlande mit einer Viererkette, drei Mittelfeldspielern und drei Angreifern. Dies brachte Vorteile in Ballbesitz, da sie auf den Außen Überzahlsituationen vorfanden.

Der Autor ist Fußballtrainer und Spielanalyst.
Der Autor ist Fußballtrainer und Spielanalyst.

Andererseits hatte die Ukraine mit ihrer Viererkette Probleme, die beiden offensiven Außenspieler Denzel Dumfries und Patrick van Aanholt zu kontrollieren und die Breite des Spielfelds zu verteidigen. Die Außenspieler konnten häufig mit Spielverlagerungen eingesetzt werden, und speziell Dumfries kam auf der rechten Angriffsseite zu vielen torgefährlichen Aktionen, erzielte letztlich auch den 3:2-Siegtreffer. Das 4-2-3-1 wäre demnach die offensivere Variante, die Vorteile in Ballbesitz bringt, das 5-3-2 die defensivere Variante, die das Verteidigen erleichtert. Aufgrund der höheren individuellen Qualität der Niederlande sowie des nicht überragenden, aber durchaus guten Auftritts gegen Nordmazedonien macht es Sinn, sich für die zweite Option zu entscheiden. Dennoch wird es entscheidend sein, wie Österreich in Ballbesitz agiert. Denn die Niederlande pressen stets sehr hoch und versuchen, möglichst viel Druck auf den gegnerischen Spielaufbau auszuüben. Fehlt es hier an Lösungen, würde dies zu einer erhöhten Dominanz des Favoriten führen. Wird das Pressing jedoch überspielt, kann der große Raum hinter der hochstehenden Abwehr des Gegners genutzt werden. Das Pressing der Oranje ist dafür auch anfällig. Gegen die Ukraine wurde - vereinfacht gesagt - mit Manndeckungen am ganzen Platz gespielt. Die starken Mittelfeldspieler der Ukraine kamen dadurch wenig ins Spiel, dafür konnte das Mittelfeld oft direkt überbrückt und aus der Abwehr in die Sturmspitze gespielt werden.

Österreich könnte dies mit seinen spielstarken Aufbauspielern wie David Alaba und Martin Hinteregger entgegenkommen. Auch für Saa Kalajdzic, der zuletzt nicht überzeugen konnte, könnte dieses Pressing vorteilhaft sein.