"Warum reden wir von einer Affenhitze? Das ist doch ein merkwürdiges Wort." Oft werden mir Fragen dieser Art gestellt, dieses Mal liefert mein Freund Michael auch gleich eine mögliche Erklärung mit: "Weil es in Affenkäfigen furchtbar heiß ist. Oder weil die Affen in Klimazonen leben, die mit unseren hochsommerlichen Temperaturen vergleichbar sind."

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

"Heute herrscht eine Affenhitze" bedeutet: Heute ist es sehr heiß. Der Wortteil "Affe-" hat also eine steigernde Bedeutung. Das zusammengesetzte Wort ist Ende des 19. Jahrhunderts erstmals in Berlin nachgewiesen, wie Lutz Röhrich in seinem "Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten" schreibt. Inzwischen wird es im gesamten deutschen Sprachraum verwendet. Lutz Röhrich vermerkt außerdem die Wendung "einen Affenzahn draufhaben": sehr schnell unterwegs sein. Das ist mehr als "einen Zahn draufhaben". Mir fällt noch das Wort "affengeil" ein, es war irgendwann einmal das Jugendwort des Jahres. Auch in diesem Fall ist von einer hohen Steigerungsstufe auszugehen. Das Wort ist nicht zwangsläufig sexuell gemeint. Auch ein Popkonzert oder eine CD kann in der Diktion von Jugendlichen affengeil, also großartig sein.

Ein anderes Tier hat aus sprachlicher Sicht eine ähnliche Funktion. Wenn wir sagen, "das ist eine Sauhitze", meinen wir ebenfalls, dass es besonders heiß ist. Umgekehrt kann es im Winter auch saukalt sein. Mit dem weiblichen Hausschwein hat das nichts zu tun. Recht groß ist die Zahl verstärkter Adjektive dieser Bauart: saudeppert, saufrech, saugeil, saugrob, saugut, saukomisch, sauteuer ...

Auch bei Substantiven kommen derartige Wortbildungen vor, ich denke zunächst einmal an das Sauwetter, das uns hoffentlich in diesem Sommer erspart bleibt. Bei den anderen Beispielen, die mir gerade einfallen, geht es um die Verstärkung von Schimpfwörtern: Saukerl, Saubande, Saubeutel, Sauhund etc. In diesem Fall könnte das weibliche Schwein sehr wohl gedanklich mitgespielt haben, vielleicht auch beim Kompositum Sauwirtschaft. Hier führt das vorangestellte "Sau-" nicht zu einer Steigerung, sondern zu einer Abwertung. Schweine haben den Ruf, dass sie von Natur aus unsauber sind, sie sind eine Verkörperung alles Schmutzigen, dabei sind diese Vorwürfe haltlos. Im Dreck wälzen sie sich nur, um sich vor Ungeziefer zu schützen und einen Sonnenbrand zu verhindern. Abgesehen von gelegentlichen Schlammbädern sind Schweine saubere Tiere.

Vielleicht hat Michael recht, und im Hintergrund der Wortbildungen mit "Affe-" stecken menschliche Vorstellungen vom Affenleben. Bei den Schweinen könnte es unterschwellig auch so sein. Jacob Grimm schrieb am 20. April 1815 an Friedrich Carl von Savigny: "... je weiter ich in diesem Studium fortgehe, desto klarer wird mir der Grundsatz: dass kein einziges Wort oder Wörtchen bloß eine Ableitung haben, im Gegenteil jedes hat eine unendliche und unerschöpfliche. Alle Wörter scheinen mir gespaltene und sich spaltende Strahlen eines wunderbaren Ursprungs, daher die Etymologie nichts tun kann, als einzelne Leitungen, Richtungen und Ketten aufzufinden und nachzuweisen, so viel sie vermag."