Immerhin: Über den historischen Aufstieg des österreichischen Fußballteams kann sich das ganze Land freuen - zumindest, wer sich in der einen oder anderen Form für diesen Sport interessiert. Die Politiker aller Couleurs überbieten sich in Glückwunsch-Botschaften, und wäre nicht die bizarre Debatte um die Farben der Teamdressen, könnte man diesen kurzen Moment als einen rar gewordenen Anflug von zumindest selektiver nationaler Einigkeit notieren.

- © WZ
© WZ

Das ist in anderen Ländern nicht anders. Nationalteams müssen das sportliche Äquivalent zu Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl sein: positive, aber ausreichend vage Projektionsflächen für die diversen Überzeugungen und Träume einer größtmöglichen Anhängerzahl. Für die Leidenschaft sorgt dann idealerweise die Faszination des Spiels.

Trotzdem ist die Vorstellung, Sport und Politik ließen sich fein voneinander trennen, Unsinn. Wie könnte auch etwas, das emotionale Identifikation genauso befeuert, wie es zur Inszenierung einlädt und dessen Umsätze im Fantastilliarden-Bereich liegen, nicht politisch sein? Die Mega-Monetarisierung treibt dabei die ideelle Politisierung nicht nur an, sondern setzt ihr auch Grenzen. Das zeigt sich bei diesem Turnier von Beginn an. Der Kniefall von Spielern als Zeichen gegen Rassismus ist von den Fußballoffiziellen, die ansonsten polarisierende politische Gesten scheuen, akzeptiert. Die Engländer mussten dafür allerdings von einigen eigenen Anhängern (und der britischen Innenministerin) Pfiffe einstecken.

Als Cristiano Ronaldo bei einer Pressekonferenz die zuckerreichen Softdrinks eines Großsponsors zur Seite und eine Wasserflasche in die Mitte rückte, dürfte die Uefa die Panik vor einer Grundsatzdebatte über ihre Sponsorenauswahl in die Glieder gefahren sein, die einen Hang zu Konzernen autoritärer Regierungen erkennen lässt. Angesichts dessen fiel die Ermahnung an die Spieler fast sanft aus.

Dafür hat die Uefa nun das Ansuchen der Stadt München abgewiesen, das Stadion beim Spiel gegen Ungarn in den Regenbogenfarben leuchten zu lassen; dies hätte ein Statement gegen das kürzlich in Budapest beschlossene Gesetz sein sollen, das sexuelle Minderheiten diskriminiert.

Wenn der Sport tatsächlich für gesellschaftliche Werte wie Fairness und Respekt einstehen will, dann sollen die Sportler auf dem Feld und die Fans auf den Rängen dies in ihre Hände nehmen und es nicht an trittbrettfahrende Politiker delegieren. Die Wahrheit liegt schließlich auf dem Platz. Die Uefa wird sich dann schon fügen, solange das Geschäft nicht leidet. Womit wiederum auch das Eigeninteresse der Spieler zurück ins Spiel kommt.