"Wenn man am 23. Juli einige Steine fallen hört, dann kommen sie vielleicht von meinem Herzen", sagte Thomas Bach zwei Tage vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio, die nun am Freitag um 13 Uhr MESZ erfolgt. Doch es sind wahre Hinkelsteine, die auf Olympia lasten. Als wären Corona, die Kostenexplosionen und der Unmut in der Bevölkerung nicht genug, musste wenige Stunden nach Bachs Aussage der Kreativdirektor der Eröffnungsfeier, Kentaro Kobayashi, gehen, weil ein Video aufgetaucht war, in dem sich der frühere Komiker über den Holocaust lustig gemacht hatte. Es war nicht der erste Rückzug wegen fragwürdiger Aussagen - die eher nicht den Eindruck nähren, Japan sei jenes moderne, weltoffene Land, als das man sich präsentieren wollte.

Fest steht jedenfalls schon jetzt, dass bei diesen Spielen alle Noten auf der Klaviatur von selbstverschuldeten Pleiten, pandemiebedingtem Pech und größeren wie kleineren Pannen gespielt werden. Letztere hat es freilich immer schon gegeben. Dass Olympia noch selten gehalten hat, was sich einige davon versprochen hatten, ist keine allzu neue Erkenntnis. Die Winterspiele von Sotschi 2014 sind den meisten wegen des russischen Staatsdopings, der Krim-Krise sowie als Milliardengrab erinnerlich. 2016 wollte Brasilien die Sommerspiele als Symbol des Aufschwungs zelebrieren - stattdessen traten Korruption und soziale Unterschiede, die das Land prägen, überdeutlich zum Vorschein. Bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang wiederum geriet das mangelnde Zuschauerinteresse bei etlichen Sportarten zum Stimmungskiller unter den Athleten. Und nun erleben wir - nicht einmal ein Jahr vor den Winterspielen in Peking, die wiederum von Menschenrechtsverletzungen begleitet werden - überhaupt Spiele ohne Zuschauer. Dafür gibt’s Fanlärm aus der Konserve und digital eingespieltes Klatschen. Es ist halt alles ein bisserl eine Mogelpackung. Aber das passt immerhin zum Namen "Tokyo 2020" im Jahr 2021.

Dabei sollten diese Spiele doch einen Blick in die Zukunft bieten. Und gewissermaßen tun sie das auch. Der Sport verlagert sich immer mehr vom Stadion- zum Medienerlebnis, Sportler wie Sponsoren verbreiten ihre Botschaften zunehmend auf digitalen Kanälen und mit technischen Hilfsmitteln. Dass diese Olympischen Spiele überhaupt stattfinden, lässt nicht nur dem IOC-Präsidenten die Steine vom Herzen purzeln, sondern auch den Athleten - die eine Absage vielleicht um eine Once-in-a-Lifetime-Chance gebracht hätte -, den Nationalen Komitees und den Fachverbänden, für die Olympia eine wichtige Einnahmequelle ist. Romantischer wird es nun einmal nicht mehr.