Wenn man’s schon nicht leicht hat, kann man es sich auch noch selbst schwer machen. Ein Anschauungsbeispiel dafür liefern die ersten Interviews mit Gerhard Milletich, nachdem sich der Wahlausschuss des ÖFB auf ihn als designierten Präsidenten geeinigt hat. Noch ohne offizielle Befugnis verpasste er Teamchef Franco Foda einen Dolchstoß, indem er ankündigte, Sportdirektor Peter Schöttel sowie die Sportkommission und "andere Experten" nach Traineralternativen suchen zu lassen (er selbst habe schon Namen im Kopf), den Frauenfußball sieht er als "Zukunft des Fußballs", weil Frauen ja eher dazu angetan wären, auch die Kinder dazu zu bringen.

Gut, man muss jetzt nicht jedes Wort auf die Waagschale legen. Und Milletich, ein langjähriger Fußballfunktionär aus Leidenschaft und Unternehmer, ist auch nur sehr beschränkt dafür verantwortlich, dass ihm beim Anpfiff seiner Präsidentschaft am 17. Oktober ein gehöriger Vorschuss an Misstrauen entgegenschlägt.


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Denn dieses richtet sich weniger gegen seine Person selbst, denn vielmehr gegen die Strukturen des ÖFB. Zwischenzeitliche sportliche Erfolge der Auswahlteams sowie ein solides wirtschaftliches Fundament können die Gräben nur temporär zudecken, nun brechen sie wieder auf. Abgesehen von notorischen Motschgeranten kritisieren auch namhafte Persönlichkeiten wie Marc Janko in sachlicher Art und Weise Amateurismus bei der Postenbesetzung.

Die IG Schiedsrichter beklagt gar "untragbare Missstände" für ihre Zunft.

Übergeordnet steht der Ruf nach Reformen im größten und vielleicht schon deshalb eher trägen Sportverband Österreichs - und die Frage, wie bereit der ÖFB dazu ist. Mit ihr sollte sich Milletich zuvorderst beschäftigen.