Tag drei nach dem Finale der Männer bei den US Open, Tag vier nach jenem der Frauen - und trotzdem redet noch immer jeder vom Lauf der 18-jährigen Britin Emma Raducanu aus der Qualifikation zum Major-Triumph.

Für Dominic Thiem war es eine der "größten Leistungen im Frauensport überhaupt", ESPN berichtet, dass das Damen-Finale bessere Einschaltquoten als das Endspiel der Männer hatte, Raducanu zog bei der Met-Gala in New York die Blicke auf sich, die britische "Vogue" wirbt schon jetzt damit, dass sie im Oktober von ihrem Cover prangen wird, und Marketing-Experten rechnen vor, dass ihr die plötzliche Bekanntheit in den kommenden zwei Jahren knapp 28 Millionen Euro an Werbe- und Sponsoreneinnahmen einbringen wird.

Jeder will schließlich ein Stückchen Emma haben. Dass darin auch eine Gefahr liegt, braucht man nicht zu betonen, Beispiele, wie hochgelobte Wunderkinder nach einem Höhenflug auf den Boden knallten, gibt es zur Genüge.

Doch es offenbart noch etwas anderes: das Ungleichgewicht in einem Sport, in dem die Erlöse durch Werbung jene, die durch die eigentliche Tätigkeit verdient werden, bei weitem übersteigen. Es ist den Maria Scharapowas und Serena Williamsens zu vergönnen, dass sie es in den vergangenen Jahren in die Liste der bestverdienenden Sportler der Welt geschafft haben, immerhin. Sonst sind dort ohnehin fast nur Männer zu finden.

Mit Preisgeld alleine lässt sich aber - abgesehen von den Grand-Slam-Turnieren, bei denen die Geschlechter gleich bezahlt werden - kein Vermögen verdienen. Vielleicht sollte man an diesen Schrauben drehen. Dann wäre die Gefahr, dass sich die Raducanus und Fernandez’ zwischen Sponsoren, roten Teppichen und Tennisplätzen in tausend Stücke zerreißen müssten, nicht ganz so groß.