Das hätte sich Ernst Hinterseer mit seinen fast 90 Jahren wohl nicht gedacht. Nämlich, dass mit einem kurzen Federstrich auch ein Teil seines Legendenstatus als Slalom-Olympiasieger einmal mitausradiert werden könnte: Seit einigen Tagen existiert der Ort des größten Triumphes, den der Tiroler am 24. Februar 1960 bei strahlend sonnigem Wetter im kalifornischen Skigebiet Squaw Valley gefeiert hatte, de facto nicht mehr. Das 1949 gegründete Skigebiet wurde auf Begehren der indigenen Bevölkerung, welche die Bezeichnung "Squaw" schon vor Jahren als "beleidigend und rassistisch" angeprangert hatte, in Palisades Tahoe umbenannt.

Es ist dies eine Entscheidung, die angesichts der "Cancel Culture", die in Amerika und Europa im Trend liegt und schon manchem Denkmal oder Straßenzug den Kopf beziehungsweise die Tafel gekostet hat, nicht überraschend kommt. Und vermutlich ist der Vorwurf, dass das Wort "Squaw" eine rassistische Konnotation besitzt - es soll für "Frau" oder sogar "Vagina" stehen und ein Schimpfwort für die indigenen Frauen weißer Siedler gewesen sein -, nicht einmal von der Hand zu weisen. Immerhin ist es das gute Recht der Indigenen, als Betroffene selbst zu entscheiden, welche Elemente ihrer von der weißen Mehrheit vereinnahmten Sprache sie als anstößig und rassistisch einstufen oder nicht.

Ein Verlust ist die Auslöschung einer der klingendsten Namen der Rocky Mountains aber dennoch - und sie könnte sich noch als Schuss ins Knie erweisen. Squaw Valley war jedem ein Begriff, löste in den Köpfen von Sportlern und Touristen positive Assoziationen aus. Ob das bei dem sperrigen und nur schwer aussprechlichen Palisades Tahoe so sein wird, ist zu bezweifeln. Vor allem aber wird ihn kaum jemand mehr mit Olympia assoziieren. Und damit wohl auch mit Ernst Hinterseer.