Immer wenn ein Film abgedreht ist, hat der große italienische Kinoweltenerfinder Federico Fellini einmal gesagt, würde er in tiefe Depressionen fallen, weil ihn nun wieder die täglichen Dauersorgen erwarten. Ich glaube, so wird es bald uns allen gehen. Vor der Pandemie ist nach der Pandemie und falls es zwischendurch doch mal ruhig wird in der Gasse, trommeln unter Garantie gleich schon wieder sämtliche Tücken des Alltags auf unsere Schädeldecken ein.
In Kurzarbeit zum Beispiel oder auch im Homeoffice kannst du dich leicht um deine Riesenschlange kümmern. Später geht das nicht mehr ganz so gut. Später bist du entweder Tierpfleger oder ganz was anderes. Falls ganz was anderes, Pech für die Riesenschlange. Die landet in so einem Fall zuerst im Mistkübel, dann in der Tageszeitung und schließlich im Tierschutzheim. Falls sie Glück hatte. Falls die Riesenschlange Pech gehabt hat, bleibt sie Biomüll.
In Australien kann ich gut verstehen, wenn im Garten große Schlangen lauern. Daran ist das Klima schuld. In Wien wird es wohl nicht das Wetter sein. Ich hatte es vor vielen Jahren als Journalist mit einem Mann zu tun, der sich im Gemeindebau einen Pavian hielt. Das ging so lange gut, als dem Pavian nicht aufgefallen ist, dass weit und breit kein Affenweibchen in der Wohnung lebt. Damals wurde viel über die menschliche Dummheit geschrieben. Belassen wir es doch dabei.
Wobei nicht gleich jeder dumm sein muss, der nach einer längeren Auszeit nicht sofort auf Knopfdruck wieder zurück in den Alltag finden kann. Siehe Fellini. Alltag ist Pflicht. Diesen Slogan hat sich ein Freund von mir ausgedacht. Der Mann war Dichter. Mit der Poesie ist er zeitlebens sehr gut zurechtgekommen. Mit dem Alltag eher nicht.
Übervolle Tierschutzhäuser. Übervolle Autobahnen. Übervolle Schipisten. Übervolle Feinschmeckerlokale. Schön war das Leben vor der Maske im Gesicht. Ich werde im November nach Rimini reisen. Dort haben sie Fellini ein Museum gebaut. Mit den schönsten Fantasien aus seinen Filmen. Angeblich ist sogar der Busen der Trafikantin dort. Danach werde ich im Nebel den Strand entlangspazieren und auf die Depressionen warten. Gestern hatte ich einen Brief vom Finanzamt in der Post. Nämlich auch nicht gerade gut für die Gesundheit.