Hans-Paul Nosko lebt als Journalist und Glossist in Wien. 
- © Robert Newald

Hans-Paul Nosko lebt als Journalist und Glossist in Wien.

- © Robert Newald

Kürzlich sah ich auf der Straße einen Bekannten in einem nagelneuen Auto mit offenem Verdeck vorbeifahren. Als ich ihn bei unserem nächsten Zusammentreffen darauf ansprach, erklärte er mir ohne Umschweife: "Wenn man die Fünfzig hinter sich hat, stellt sich die Frage: Eine Freundin oder ein Cabriolet?"

Wir wollen jetzt gar nicht näher untersuchen, welche Argumente für die eine oder für die andere Variante sprechen und welche Auswirkungen diese oder jene auf das jeweilige Beziehungsleben haben könnte - mein Bekannter, er ist verheiratet, hat seine Wahl getroffen, und sie war sicher nicht die schlechteste, wie ich seiner guten Laune anmerkte.

Ja, Männer jenseits der Fünfzig. Ein weites Feld, wie Theodor Fontane gesagt hätte. Da stellen sich Fragen, und zwar ganz andere als noch zehn oder zwanzig Jahre davor: Was geht noch? Was geht sich noch aus? Was zahlt sich noch aus? Beruflich liegen die Dinge meist ziemlich klar: Entweder ist das Karriereziel erreicht - oder aber der Zug abgefahren. Die Beziehungsebene ist da schon ein weitaus schwierigeres Terrain und würde hier zu weit führen. Und die Kinder, für die ist man sowieso ein Leben lang da. Aber es gibt ja noch anderes: Freunde, Hobbys, Reisen.

Klar ist in jedem Fall: Es ist weniger Zeit übrig als bisher. Oder wie es die Steirer in ihrer bildhaften Sprache ausdrücken: Jetzt foa ma ’s Bergl wieder oba. Apropos fahren, Berg, hinunter: Viele Männer dieser Alterskohorte stellen sich erst gar nicht die Frage nach einer neuen Beziehung, sei es statt oder neben der bisherigen, sondern blättern in der brandneuen Motorradzeitschrift. Endlich wieder oder vielleicht gar zum ersten Mal auf zwei Rädern, allein oder in der Gruppe, auf und davon, den endlosen Horizont vor Augen. Über ein verlängertes Wochenende halt oder für ein paar Stunden am Sonntagnachmittag.

Wer im ländlichen Gebiet aufmerksam schaut, sieht sie an sonnigen Herbsttagen allenthalben, die grauen Panther auf ihren heißen Eisen. Das Nonplusultra dabei: die "Harley", Ausdruck der Anti-Establishment-Haltung - egal ob Rechtsanwalt oder Maschinenschlosser - und Symbol der ewigen Jugend. Peter Fonda war gerade 29, Dennis Hopper 33, als sie in "Easy Rider" Arizona und Louisiana durchquerten. Das Ende der beiden ist bekannt, aber auch ihre 50-Plus-Epigonen müssen höllisch aufpassen: Wer erst in diesem Alter (wieder) aufs Motorrad steigt, sollte vorsichtig ans Werk gehen. Aber was ist ein Koch-Workshop oder ein Tanzkurs für Paare, wenn man im Lederanzug durch die Landschaft kurven kann!? Oder eben im offenen Auto, wenn man lieber auf vier Rädern unterwegs ist.

Mein Bekannter ist übrigens ein liebevoller Ehemann. Unlängst gestand er mir, dass seine Frau ihn kürzlich gebeten habe, Fragen nach dem Cabriolet in ihrer Gegenwart nicht mehr mit dem Verweis auf die andere Möglichkeit zu beantworten - mittlerweile würden nämlich sämtliche seiner Freunde das Bonmot kennen.