Es ist vielleicht die Liebesbeziehung des 21. Jahrhunderts. Hier haben zwei unter dem Dach des geheiligten Marketing und des ewigen Verkaufs von TV-Rechten zusammengefunden, die sich aus vollem Herzen lieben: Sport und Diktatur. Während der Serbe, der beruflich mit einem Teppichklopfer befilzte Bälle über einen Wildschweinzaun schubst, gerade überraschend mit der Tatsache konfrontiert wird, dass in Australien für ihn dieselben Rechte und Pflichten gelten wie für alle anderen, wartet seine chinesische Kollegin auf eine Einladung vom IOC-Chef. Das war ein schwerer Schock für seine Fans. Raus müsse er aus dem Abschiebe-Hotel, forderten sie. Da war auch die australische Regierung dafür, da sie nicht wollte, dass die Weltpresse ständig darüber berichtet, wie hier mit den anderen, nicht so prominenten "Gästen" umgesprungen wird.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

In China aber wär das nie passiert. Da gibt es auch keine Hotels, sondern nur "Umerziehungslager". Ist aber wurscht, weil es bald Olympische Winterspiele gibt. Und ein paar tausend gefangene Uiguren sind nicht so wichtig, wenn man sich überlegt, was man den Chinesen an Schneekanonen verkaufen könnte: "Drei Chinesen mit der Schneekanon’ /

machen irgendwas,
wir ham kan Dunst davon /

ich schalt schnell auf Sport, kommt doch a Information /

über drei Chinesen mit der Schneekanon’!"

"Aber, aber", höre ich das einfache Gemüt einwerfen, "die USA werden doch die Spiele in Peking boykottieren." Ja. Diplomatisch. Also Sportler kommen schon. Das ist so, wie wenn man sagt: "Ich boykottiere jetzt das Puff. Moralisch! Ich geh jetzt nur mehr ohne Pfarrer hin." Demokratie stört bei Olympia sowieso nur. Die letzten Bewerbungen von München und Hamburg sind am demokratischen Widerstand der örtlichen Bevölkerung gescheitert. Na, bitte, dann eben nicht. Dann feiert man sein Sponsorenspektakel mit körperlicher Betätigung eben dort, wo die Bevölkerung nichts mitzureden hat. Macht die Fifa in Katar doch nicht anders. Und die FIS wird da nicht mehr lange zusehen.

Wieso eigentlich keine Ski-WM in Saudi-Arabien? Seit den Missbrauchsfällen im Ski-Zirkus weiß man auch, dass es da durchaus Parallelen im Frauenbild gibt. Gut, Kritiker des ÖSV werden nicht in der österreichischen Botschaft in Istanbul zerhackt, trotzdem ist ein Sicherheitsabstand von Pistenraupen zu empfehlen. Und wieso eigentlich nicht die nächste freie Fußball-WM in Monaco machen?

Die fehlenden Spielplätze werden einfach auf schwimmenden Stadien im Hafen ausgetragen, da können die Millionäre gleich von der Yacht aus mitfiebern. Und das Geld muss auch nicht umständlich einmal um die ganze Welt geschickt werden, um endlich sauber zu sein. Es ist ja schon da. Und das Gesellschaftssystem (Fürstentum vs. Untertanen) dürfte der Fifa auch gefallen.

Aber natürlich gibt es auch Kritiker. Zu den Olympischen Spielen gab es folgenden Kommentar: "Ein Regime, das sich stützt auf Zwangsarbeit und Massenversklavung; (...) wie soll ein solches Regime den friedlichen Sport und freiheitlichen Sportler respektieren?" Ja, okay. Es ist schon etwas her. Und es waren die Sommerspiele gemeint - von Heinrich Mann. Die von 1936. Andererseits: Vielleicht ist die Liebe ja gar nicht so neu?