Na super, jetzt bin ich auch noch durchschnittlich. Und schuld ist Corona. War ja klar. Draufgekommen bin ich aber eh nur, weil ich mir zufällig die total beschlagene Brille geputzt habe. (Sonst wäre ich wahrscheinlich wegen versuchten Einbruchs drangewesen. Wenn die Nachbarin die Polizei gerufen hätte wegen der verdächtigen Geräusche an ihrer Wohnungstür.)

Und das kam so. Neulich steh ich wieder einmal mit vier vollen Einkaufssackerln (man soll schließlich immer für zwei Wochen einkaufen, falls ein Blackout kommt, und entsprechend schreib ich meinen Einkaufszettel nun immer laut Empfehlung "wie für einen vierzehntägigen Campingurlaub in den eigenen vier Wänden"), ich steh also wie jede Woche mit meinen Einkäufen für einen vierzehntägigen Campingurlaub am Fuße eines ziemlich steilen, nebelverhangenen Anstiegs. Ach, ich wohne auf einem Berg? Nein, im zweiten Stock, warum? Als Brillenträgerin hab ich eben bloß noch trübe Aussichten. Jedenfalls hab ich mir angesichts der Steigung, die sich irgendwo im dichten Nebel verloren hat, gedacht: "Vor der Pandemie bist die Stiege noch zu Fuß rauf’gangen." (Und wie geh ich sie jetzt rauf? Na, mit dem Lift.) Damals hatte ich halt noch eine Jahreskarte fürs Fitnessstudio. (Nicht, dass ich oft vorbeigeschaut hätte, doch immerhin hab ich einen Mitgliedsbeitrag gezahlt.) Und außerdem bin ich inzwischen 15 Kilo schwerer. Ohne Sauerstoffgerät komm ich diese vielen Stufen nimmer rauf. Bin ich der Sherpa Tenzing Norgay? (Und dem hat bestimmt keine FFP2-Maske die Luft weggefiltert.) Bis ich mich nach oben geschnauft hätte (auch wenn es mir guttäte, zwecks der Fitness), wären meine zehn Tiefkühlpizzen und die drei Liter Eis garantiert aufgetaut bzw. geschmolzen. Tiefkühlpizza und Eis als Blackout-Vorrat? Ja, wieso denn nicht? Ich campe "in den eigenen vier Wänden", oder? Und daheim hab ich eine Kühl-Gefrier-Kombi. Wurscht. (Nein, die hab ich nicht gekauft. Allerdings Käse. Der ist im Tiramisu drin. Mascarpone.)

Den Aufzug zu nehmen, ist zumindest äußerst gefährlich. Aufgrund dieser herumschwirrenden haushaltsfremden Aerosole. Selbst wenn man allein fährt, wird man von den Fahrgästen, die schon vor Stunden ausgestiegen sind, noch angespuckt. Mit mikroskopisch kleinen Speichelpartikeln. Eine Liftkabine ist eine regelrechte Aerosoldusche. Zudem steigt von Tag zu Tag die Wahrscheinlichkeit, dass einer meiner Nachbarn omikronverseucht ist. Und kaum einer hält sich an die Maskenpflicht. (Ein Lift ist ein Verkehrsmittel, hallo? Okay, vielleicht kein Massenbeförderungsmittel. Aber dann wenigstens eine Seilbahn. Oder hängt der Fahrkorb etwa nicht an mindestens einem Stahlseil?) Und dauernd hör ich ein schreiendes Baby durch meine übrigens mehr als vier Wände durch. (Ich bin definitiv für eine Schnullerpflicht für Säuglinge.)

Vor dem Take-off mit meinen Sackerln hab ich also meine Brille geputzt, damit ich nicht wieder beim falschen Stock drücke. (Das letzte Mal war ich kurz davor, den Schlüsseldienst zu rufen. Bis ich erkannt habe, an der unhöflichen Frau, die mir geöffnet hat, dass das überhaupt nicht meine Wohnung ist.) Plötzlich les ich auf einem Taferl: "320 kg / 4 Personen." Und rechne: 320 durch 4. Verdammt, ich bin Durchschnitt. Andererseits: Wäre ich weniger coronaspeckig, wäre ich unterdurchschnittlich. Wäre vermutlich noch schlimmer.