Natürlich ist es fahrlässig, den Test einer neuen Kamera beinhart in der Praxis zu machen. Wobei: Das Testergebnis wird deutlich aussagekräftiger, aber die Erprobung eines technischen Objekts, das man niemals zuvor in Händen gehalten hat (und dessen Tücken man nicht erahnt), gefährdet eventuell den Testrahmen. Also: das erhoffte und erwünschte Resultat. Man schaut dann leicht dumm aus der Wäsch’.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Mir ging es so - zu meiner heftigen Überraschung - mit der Sony Alpha 7 IV. Wer will schon immer nur mit einem Smartphone Schnappschüsse machen? Mal schau’n, womit Profis arbeiten. Die brandneue Sony Alpha ist eine Vollformat-Hybridkamera, die sowohl hervorragende Fotos wie auch beeindruckende Videos schießen kann. Und Letzteres hatte ich vor. Die, wie ich der Fachpresse entnehme, "lang erwartete" vierte Generation dieses No-Nonsense-Geräts besitzt einen komplett neuen 33-Megapixel-Bildsensor samt leistungsfähigerem Prozessor, 4K-Video mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde, einen verbesserten Stabilisator und "endlich ein Touch-Menü", wie mir Kenner der Materie zuflüsterten. Allein das Gehäuse dieser Kamera kostet um die 3.000 Euro, in Kombination mit dem von uns verwendeten (und freundlicherweise von Sony Austria zur Verfügung gestellten) 70-200er-FE-Objektiv kommt man gleich auf die doppelte Summe. Wohlgemerkt: Unter Profis gilt diese Kamera immer noch als Einstiegsmodell, es geht auch weit teurer und hochgezüchteter. Aber die Alpha 7 IV hat alles und kann alles, was man so braucht im rauen Video-Alltag.

Wir gedachten, die Canon im direkten Vergleich zu spezialisierten Videokameras mitlaufen zu lassen. Und dann die Bilder zu vergleichen, das Handling zu bewerten und in puncto Gesamteindruck herauszuarbeiten, ob diese eierlegende Wollmilchsau mit den rein auf das Laufbild abgestellten Profi-Geräten mithalten könnte. Wohlan! Eine gewisse Unlogik in der Bedienungsführung ist eine bekannte und berüchtigte Sony-Spezialität, aber daran sollte es nicht scheitern. Sie ahnen es freilich schon: Wir stießen auf andere Widrigkeiten.

Es ist nämlich so: Die Sony Alpha 7 IV hat die unangenehme Eigenschaft, zu überhitzen. Und das recht rasch. Man dreht 20, 30 Minuten am Stück - und plötzlich, wie aus dem Nichts, schaltet sich die Kamera ab. Noch dazu mit einem laut vernehmbaren Warnsignal. Überhitzung, Baby! Das ist, wenn sie beispielsweise gerade im prunkvoll eingerichteten Wohnzimmer von André Heller sitzen und ein Interview mit ihm drehen, eine eher unangenehme Überraschung. Sie müssen dann fünf Minuten warten, bis die Sony wieder abgekühlt ist und dann den Faden neu aufnehmen. Erklären Sie das dem Großmeister der Fantasie!

Wir - das gesamte Team, darunter zwei erprobte Kameraleute - waren ernsthaft verblüfft. Zumal uns die Chose mit der Überhitzung noch drei-, viermal bei weiteren Drehs passierte. Es ist also entweder ein ernsthafter Konstruktionsfehler der vierten Alpha-7-Modellreihe - oder wir haben ein defektes Einzelexemplar ausgefasst. Kann passieren. Sollte es aber nicht. "Geil am Datenblatt, aber ein Wahnsinn in der Praxis", so ein Profi-Kollege. Ich verpacke Kamera und Objektiv gerade wieder in die Schachteln, in denen sie geliefert wurden, und werde sie dem freundlichen Sony-Team zurückschicken. Beim nächsten Versuch kann es nur besser werden.