Nach dem Ende des Eisernen Vorhangs 1989 und dem Ende der Sowjetunion 1991 begann der Siegeszug der Globalisierung, die Gefahr der Atomkrieg-Apokalypse schien für immer gebannt. Der US-Politikwissenschafter Francis Fukuyama nannte diese neue Belle Époque das "Ende der Geschichte". Doch diese Ära ist Geschichte. Willkommen in der neuen Weltunordnung.

Ein Reiseführer durch diese stürmischen Zeiten gefällig?

Erstens: Stets einen Plan B parat haben - auch ein Plan C und D schadet nicht. Zweitens: Immer auf das Schlimmste vorbereitet sein - aber stets das Beste hoffen. Drittens: Wer sich selbst hilft, dem wird geholfen.

Die Beachtung dieser Vorsorgeprinzipien schützt vor unangenehmen Überraschungen, Risikobewusstsein und Realitätssinn sind besser als grundloser Optimismus und Selbstbeschwichtigung à la "wird schon schiefgehen".

Seit 20. Februar 2014, als Wladimir Putin den Überfall auf Krim und Donbass befahl, sollte den Vertretern der Classe Politique und der Wirtschaftselite klar geworden sein, dass die Russische Föderation kein Partner mehr sein kann, mit dem Business as usual möglich ist. Bestens bezahlte Manager und Spitzenpolitiker würden Wirtschaft und Gesellschaft seit damals auf alle Eventualitäten vorbereiten, würde man meinen. Denn welcher vernünftige Mensch setzt schon gerne alles auf eine Karte?

Doch die damalige österreichische Außenministerin Karin Kneissl tanzte noch 2018 Walzer mit Putin, statt fieberhaft nach alternativen Energielieferanten Ausschau zu halten, und namhafte Wirtschaftskapitäne verweigern sich bis heute der Energiewende, die - Putin hin, Putin her - ohnehin kommen muss, um den nahenden katastrophalen Klimawandel zumindest einzubremsen.

Wir leben nun aber wieder in der Risikogesellschaft - ganz so wie das der im Jahr 2015 verstorbene deutsche Soziologe Ulrich Beck in seinem 1986 kurz nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl erschienenen, gleichnamigen Buch beschrieben hat: Es geht nicht mehr um die Verteilung der produzierten Reichtümer, sondern um die Verteilung der Risiken.

Die Zeiten sind härter geworden, in der neuen Risikogesellschaft haben sich die Gleichgewichte verschoben, das Primat der Politik ist wiederhergestellt: "Freiheit ist wichtiger als Freihandel. Der Schutz unserer Werte ist wichtiger als Profit", sagte der norwegische Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

In der Risikogesellschaft übertrumpft volkswirtschaftliches Denken betriebswirtschaftliches Denken, in der Risikogesellschaft heißt es, in Worst-Case-Szenarien zu denken, aber dennoch die Hoffnung nicht aufzugeben.