Das war ein Klagenfurter Wettlesen! Und am Schluss hat Ana Marwan den Ingeborg-Bachmann-Preis bekommen, und das völlig zu Recht, denn die Slowenin beobachtet genau und schreibt ein bildstärkeres Deutsch als die meisten Muttersprachler.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Alles in Ordnung also?

Mit den Preisen - ja: Das neue Vergabesystem nach Punkten hat sich bewährt, kaum je zuvor sahen die Zuerkennungen weniger nach Absprache aus.

Dennoch schüttelt man den Kopf darüber, was sich manche Jurorin und manch Juror wieder einmal geleistet hat. Weniger die Hahnenkämpfe stören, das gehört dazu, das ist die Farbe. Aber dieses Belesenheitsprotzen, dieses preziöse Formulieren in wohleinstudierten Sätzen: Der Zuhörer könnte aus der Haut fahren.

Da herrscht das Motto "Sagst Du Proust, sage ich Thomas Mann", und schon steht ein harmloses Textlein, das, außer der deutschen Sprache, niemandem etwas antut, neben den großen Autoren der Weltliteratur. Was kitzeln die Juroren nicht alles an Literaturgeschichte heraus aus ein paar Sätzen.

Am Schluss des Ganzen weiß man als Zuhörer freilich, dass sich alles nur in den Äußerungen der Jury abgespielt hat, dass große deutschsprachige Gegenwartsliteratur nicht stattfindet, solange eine eklatante Erzählschwäche als Qualitätskriterium gilt. Und wer spannend schreibt, hat beim Bachmann-Preis nichts verloren. Sonst könnte noch Lesen zur Lust werden.

Immerhin: Ana Marwan. Das Wunder vom Wört(h)ersee.