"Ein Freund, ein guter Freund / das ist das Beste, / was es gibt auf der Welt / ein Freund bleibt immer Freund / und wenn die ganze Welt zusammenfällt."

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Was die Comedian Harmonists einst besungen haben, ist die allererste Bedeutung des Wortes Freund: (a) eine männliche Person, die einer anderen in Freundschaft verbunden ist, ihr nahesteht. Wenn ein Mann einen Freund hat oder eine Frau eine Freundin, ist alles glasklar.

Aber das Wort hat noch eine weitere Bedeutung, in dem besagten Lied folgt die Zeile: "Drum sei auch nie betrübt / wenn dein Schatz dich nicht mehr liebt . . ." In diesem Fall wird mit "Schatz" eine Bedeutung umschrieben, die in Wörterbüchern unter (b) angeführt wird: Freund ist eine männliche Person, die mit einem anderen Menschen eine sexuelle Beziehung unterhält, eventuell mit diesem auch zusammenlebt. Vice versa ist Freundin eine weibliche Person, die. . .

So weit, so gut. Aber die Beziehungswelt ist nicht nur schwarz oder weiß. Zwischen (a) und (b) gibt es Schattierungen, die sprachlich schwer zu fassen sind. In freundschaftlichen Beziehungen zwischen Mann und Frau kann eine stark gefühlsbetonte Komponente mitschwingen - kurz bevor (a) Richtung (b) kippt. Und wenn dieser Fall eintritt, stellt sich eine neue Frage: Ist sie nur seine Freundin oder ist sie seine "feste" Freundin?

In allerletzter Zeit ist aus dem angloamerikanischen Raum der Ausdruck "friends with benefits" über uns hereingebrochen, im Deutschen meist als "Freundschaft Plus" bezeichnet, denn "Freund mit Vorzügen" klingt schon sehr gestelzt.

Wenn man den Vierfarbmagazinen Glauben schenkt, wird "Freundschaft Plus" immer beliebter. Gemeint ist eine lose Beziehung mit unverbindlichem Sex. Nach dem Urteil von Paartherapeuten ist "Freundschaft Plus" ideal für Menschen mit Beziehungsängsten, nur in seltenen Fällen entwickelt sich daraus etwas Ernstes. Vermutlich ist das Phänomen "Freundschaft Plus" schon recht alt, neu ist nur, dass es begrifflich erfasst wird.

Eine neue Dimension von Freundschaft haben uns die sozialen Medien beschert. "Freund/in hinzufügen?" werde ich immer wieder auf Facebook gefragt, und dann wird mir ein Mann oder eine Frau vorgeschlagen - mit einer präzisen Angabe, wie viele "gemeinsame Freunde" wir hätten, wenn wir uns tatsächlich befreunden würden. Damit hat das Wort eine dritte Bedeutung angenommen, nämlich (c): eine Person, mit der man in einem sozialen Netzwerk in beidseitigem Einvernehmen verbunden ist: "Freundschaftsanfragen" müssen ja bestätigt werden, ehe sie in Kraft treten. Man kann sie auch ablehnen.

Unter meinen mehr als tausend Facebook-Freunden, sie gehören zum Typ (c), sind auch Freunde vom Typ (a). Wobei ich aus einem traurigen Anlass festgestellt habe, dass auch bei den Facebook-Freunden, also jenen des Typs (c), die Grenzen verschwimmen. Als ich über den Tod meiner Frau schrieb, bekam ich berührende, ja geradezu freundschaftliche Beileidsbekundungen von Facebookern, mit denen ich nie persönlichen Kontakt hatte. Da soll noch einmal jemand sagen, in den sozialen Netzwerken wird nur oberflächlich kommuniziert.