Jetzt ist es schon wieder passiert: Direktor und Musikchef der Wiener Staatsoper gehen getrennte Wege. Sie scheiden dabei nicht im besten Einvernehmen. Während Dirigent Philippe Jordan argumentiert, die hehren Vorstellungen von der Zusammenarbeit zwischen Graben und Bühne nicht realisiert zu sehen und zu einem Rundumschlag gegen das Regietheater ansetzt, verweist Staatsoperndirektor Bogdan Roščić auf offenbar nicht künstlerische Gründe, die er nicht näher kommentieren möchte.

Welche das sein mögen, ist nicht die spannendeste Frage. Das Problem sitzt tiefer. Das Opern-Leading Team aus Managing-Director und Künstler scheint generell zum Scheitern verurteilt. Dominique Meyer und Franz Welser-Möst, Klaus Bachler und Christian Thielemann sind da nur die prominentesten Namen.

Warum es diese unmöglichen Gespanne dennoch gibt? Offiziell, um den Künstlern den Rücken frei zu halten von schnöder Planung. Dahinter steckt Kalkül - und Angst vor der Kompromisslosigkeit von Kunst. Die kulturpolitischen Aufträge an Opernhäuser haben sich längst gewandelt, verlangen einen unmöglichen Spagat: Sie sollen ein starkes künstlerisches Profil mit Strahlkraft entwickeln, dazu effizient wirtschaften, breite Publikumsschichten ansprechen - und Sponsoren bitte auch. Zur Zerreißprobe wird dieser Auftrag in den Leitungsduos. Lösen können wird das nur eine Kulturpolitik, die der Kraft der Kunst vertraut und sie nicht unter kommerzielle Vormundschaft stellt.