Der Nobelpreis für den österreichischen Physiker Anton Zeilinger belohnt die herausragende Leistung eines Ausnahmewissenschafters im Bereich der Grundlagen des Quantencomputers. Zugleich ist er ein großartiges Signal für den Forschungsstandort. Plötzlich spielt Österreich nicht im Mittelfeld europäischer Rankings, wo es seit Jahren auf Plätzen zwischen acht und 13 dümpelt, sondern es wird ein Spitzenforscher quasi in einem Atemzug mit Albert Einstein und Niels Bohr genannt.

Die hohe Ehre eines Nobelpreises, die sehr wenigen von unzähligen viel zitierten Forschenden zuteilwird, verdeutlicht, was möglich ist, wenn Enthusiasmus für ein Fach gleich mehrere Arbeitsgruppen hervorbringt und die öffentliche Hand den Mut fasst, sie langfristig finanziell so abzusichern, dass sie kontinuierlich arbeiten können. Nobelpreisträger entstehen nicht aus dem Nichts und nicht von heute auf morgen.

Man müsse "seinen eigenen Spinnereien ein bisschen vertrauen", sagte Zeilinger anlässlich der Bekanntgabe durch das Stockholmer Komitee. Die bahnbrechenden Arbeiten, die ihm zusammen mit John Clauser und Alain Aspect die Auszeichnung einbrachten, wären ohne die Freiheit, "Sachen zu machen, die nicht Mainstream waren", nicht möglich gewesen. Es sei alles andere als selbstverständlich gewesen, mehr oder weniger ohne Rücksicht auf unmittelbaren Nutzen arbeiten zu können.

Um sich zu entfalten, benötigt die Grundlagenforschung nicht nur die Begeisterung einzelner Personen, sondern auch bestimmte Rahmenbedingungen. In der Quantenphysik gab und gibt es sie in Österreich. Umso mehr verwundert es, wie widersprüchlich die Bundesregierung andernorts agiert. So wird zwar stets betont, wie wichtig Grundlagenforschung für Zukunftsfähigkeit und Innovation ist. Jedoch kann der Wissenschaftsfonds FWF nach wie vor nur einen Bruchteil dieser Arbeit finanziell fördern, weil das Budget fehlt. Weiters bejammert die Politik, dass sich ein beachtlicher Anteil der Bevölkerung weder gegen Corona noch andere Krankheiten impfen lässt, den Klimawandel leugnet und Wissenschafter grundsätzlich für Lügner hält. Dennoch legt die Bundesregierung in einer derzeit kursierenden Fassung der Mediengesetz-Novelle zwar die Bereiche Gesellschaft oder Sport als Kriterien für die Medienförderung fest, nicht aber die Berichterstattung über Wissenschaft, die solcher Skepsis und Fake News mit sachlicher Information entgegenwirkt.

Dieses unverständliche Vorgehen ist in etwa so, wie wenn wir Weltmeister im Fußball wären, aber auf Regierungswunsch die Sportberichterstattung einstellen würden.Seite 21