Der Gesundheitsminister hat ja für die Corona-Herbstwelle die Devise ausgegeben, dass "Alarm schlagen" nicht nötig sei. Angesichts einer täglich steigenden Inzidenz, derzeit gerade noch unter 1.000, und einer wohl deutlich höheren Dunkelziffer, weil ja viel weniger getestet wird, mögen ihm da vielleicht ein paar Spitalsärzte widersprechen. Denn dort ist die neue Welle natürlich trotzdem angekommen, ob das den Gesundheitsminister alarmiert oder nicht.

Nun stimmt es, dass aktuell mildere Verläufe vorherrschen. Das liegt nicht nur an der nicht so aggressiven Omikron-Variante, sondern natürlich auch an der Wirkung der Impfung, sagt der Lungenfacharzt Arschang Valipour. Auch antivirale Medikamente, die zur Verfügung stehen, tragen dazu bei. Und könnten das noch mehr, wenn mehr Menschen wüssten, dass es sie gibt. Denn einer verblüffenden Umfrage zufolge ist fast die Hälfte der Österreicher darüber nicht informiert. Auch über die eigene Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe - etwa hoher Blutdruck oder Diabetes - fehlt vielen die Kenntnis. Deshalb wirbt jetzt eine Kampagne für mehr Aufmerksamkeit für antivirale Medikamente.

Nach bald drei Jahren Pandemie überrascht das Ergebnis dieser Umfrage, aber es zeigt auch, dass mitunter lebenswichtige Informationen immer wieder nicht flächendeckend dort ankommen, wo sie sollen. Auch deshalb ist weniger Qualitätsjournalismus, der Informationen sorgfältig und verständlich aufbereitet, in diesem Land eher keine gute Idee.