Natürlich machen wir das alle. Manchmal einfach was raushauen, was bei näherer Betrachtung völlig unlogisch ist. Gerade die deutsche Sprache, die jegliche Kombination von Begriffen mit der Konstruktion des zusammengesetzten Hauptworts zulässt, ist besonders anfällig dafür. Und dann spricht man von Dingen, die es eigentlich nicht geben kann. Wie etwa von "Intelligenz-Bestien" oder gar "Familien-Urlaub". Auch der Begriff "Volkspartei" ist ja so ein Unding. Das ist jetzt nicht politisch gemeint, aber entweder man ist ein "Volk", was ja die gesamte Bevölkerung einschließt, oder eben "Partei", was eben nur einen Teil, eine spezifische Gruppe, meint.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Sein aktuelles Programm heißt "ÜberHaltung".
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenswerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de. Sein aktuelles Programm heißt "ÜberHaltung".

Aber man hat sich daran gewöhnt. Denkt nicht darüber nach und redet halt so was daher.

Hellhörig wird man aber, wenn es neue Begriffe sind. Verurteilt etwa ein Großteil der Länder der Vereinten Nationen das russische Vorgehen in der Ukraine, dann meint der Außenminister der Russischen Föderation, dieses Abstimmungsergebnis wäre das Resultat eines "diplomatischen Terrorismus‘".

Das ist - bei aller nichtvorhandener Sympathie gegenüber dem Herrn - schlicht Blödsinn. Terrorismus ist so ziemlich das Gegenteil von Diplomatie. So etwas kann es nicht geben. Wer sich da an die "stichhaltigen Gerüchte" erinnert, die der Herr Gudenus vor ein paar Jahren als Quelle herangezogen hatte, liegt nicht falsch.

Aber das ist nun einmal die Geisteswelt der Reichsbürger, Rechtspopulisten und Russlandversteher (und man kann davon ausgehen, dass der Außenminister der Russischen Föderation ein Russlandversteher ist. Wenn der das Land nicht versteht, wer dann?): Schlagworte und Begriffe, die aufs Erste gut klingen, Aufmerksamkeit erzeugen und inhaltlich ein totaler Unsinn sind. Oder auch ein Vollholler. Gerne auch ein Schas mit Quastln.

Andere, wie der Freund notleidender Oligarchen, Sigi Wolf, sprechen von "Demokratur" oder - lang ist’s her - von "gemäßigter Diktatur" wie Felix Baumgartner. Alles lupenreine Begriffsnebelgranaten, da Diktaturen von Natur aus eben maßlos sind - und nicht demokratisch. Wer’s nicht glaubt, ist wahrscheinlich schon seit Jahren ein bisschen schwanger.

Man könnte es ja als harmlos abtun, wenn nicht mit solchen Kreationen aus Sprachlaboren frankensteinscher Natur sogar Kriege gerechtfertigt würden. So hat der große amerikanische Historiker Timothy Snyder schon darauf hingewiesen, dass Russland zwar die Existenz der ukrainischen Nation verneine und gleichzeitig darauf bestehe, dass das Land voller Nationalisten sei. Um es auf Wienerisch zu sagen: Das sind warme Eislutscher.

Von so was kann man träumen, als Basis für politisches Handeln sind sie gefährlich.

Bin mir aber sicher, im Kreml und bei seinen finanziellen Partner in der Öffentlichkeit (bitte nicht als FPÖ abkürzen!) spült man diese Kritik mit einem Schluck trockenen Wassers hinunter, lässt gegrillte Friedestauben aufsteigen, treibt die nächste vegane Sau durchs globale Dorf, und zwar just um jene runde Ecke, an der einst ein totgeschoss’ner Hase auf der Sandbank Schlittschuh lief. Denn das Oxymoron kann das. Es besteht schließlich aus den griechischen Worten "oxys" (scharf) und "moros" (dumm).

Deshalb: Oxys nachdenken, sonst wird man für Moros verkauft.