Es gibt Tiere, die ein besseres Image haben als der Wolf. Und das nicht erst, seit der umstrittene Beutegreifer beginnt, sich in Mitteleuropa wieder anzusiedeln - und in Konflikt gerät mit der menschlichen, der landwirtschaftlichen Nutzung von Lebensräumen. Die Debatte um den weiteren Umgang mit Wölfen ist eine emotionale - auch im EU-Parlament, wo am Donnerstag eine Resolution über die Aufhebung des strengen Schutzstatus der Tiere verabschiedet wurde. Es soll damit einfacher werden, Wölfe abzuschießen.

Zu Ende ist die Debatte damit nicht. Denn in der (rechtlich nicht bindenden) Entscheidung geht es um mehr als ein paar Wölfe und (gerissene) Schafe. Das Problem ist grundsätzlicher. Seine Lösung sagt viel darüber aus, ob und wie es uns gelingen wird, etwa die Herausforderung des Klimawandels zu meistern. Bei beidem geht es nämlich um die Frage nach dem künftigen Zusammenspiel von Mensch und Natur.

In Sachen Wolf ist die Datenlage in Österreich klar: Wölfe siedeln sich vermehrt im Norden und Süden an, etwa 40 bis 50 werden es mittlerweile sein. Sie reißen vermehrt Nutztiere: Mit Stichtag 7. November vermeldet das "Österreichzentrum Bär Luchs Wolf" heuer 722 gerissene Schafe und Ziegen sowie 9 Rinder. Tendenz stark steigend.

Wölfe also einfach zum Abschuss freigeben, und alles ist gut? Das ist nicht die entscheidende Frage. Diese lautet vielmehr: Wer entscheidet, dass der Wolf weniger Recht darauf hat, den gemeinsamen Lebensraum zu nutzen als der Mensch - sofern er für den Menschen selbst keine Gefahr darstellt? Sprich: Wie lässt sich das veränderte Verhältnis durch die Wiederansiedlung anders lösen als durch Jäger?

Dass es im Zusammenleben von Mensch und Wolf ein Problem gibt, ist wohl allen Parteien klar - den Abschussbefürwortern und den Wolfschützern, die in der hitzigen Debatte aneinandergeraten. Es geht auch hier um das Wie der Problemlösung. Und das könnte richtungsweisend sein. Nicht nur für die Wölfe, sondern für die Gemeinschaft der EU-27. Die bloße Aufhebung des Schutzstatus bedeutet ein Einzementieren der menschlichen Vorstellung, sich die Erde und damit die Natur Untertan zu machen, sie dort einfach zurückzudrängen und zu auszumerzen, wo sie menschlichen Interessen im Weg steht. Die Alternative? Ein respektvoller Umgang mit der Natur, die Suche nach neuen Formen der Koexistenz - etwa durch stärkeren Herdenschutz oder mehr Behirtung. Diese Fragen konstruktiv zu lösen, wird die EU weiter bringen, als eine bloße Abschussfreigabe - nicht nur in Sachen Wolf.