"documenta 2022" und kein Ende: Die antisemitischen Tendenzen der Kasseler Kunstschau liegen auf der Hand. Es besteht Wiederholungsgefahr, denn in Sachen Kunst sind der Politik die Hände gebunden. "Die Freiheit der Kunst kann auch in Fällen rassistischer oder antisemitischer Tendenzen im Rahmen der Verhältnismäßigkeit vor staatlichen Zugriffen schützen", konstatierte jetzt der Berliner Rechtswissenschafter Christoph Möllers.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Die moralische Frage ist freilich, ob man andere Ethnien, Nationen und/oder Religionen derselben Schutzlosigkeit aussetzen würde, wie es im speziellen Fall mit Juden und Israel geschieht.

Szenenwechsel.

In Wiener Jüdischen Museum läuft eine Ausstellung über angebliche Missverständnisse in Zusammenhang mit Juden und Israel. Die Ausstellung will aufklären über Juden und das Judentum, und sie will das auf humorvolle Weise machen. Doch sie lässt vielfach antisemitische Lesarten zu, wiewohl diese nicht intendiert sind. Dennoch fühlen sich immer mehr Juden von dieser Schau irritiert oder verletzt, denn: Die gezeigten Kunstwerke und Objekte seien zum Teil unzureichend oder verzerrend kontextualisiert, schreibt Oskar Deutsch, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Wien in einem Brief an Museumsdirektorin Barbara Staudinger.

Wieder stellt sich die Frage: Ginge man mit anderen Ethnien, Nationen und/oder Religionen in deren Museum auf die selbe Weise um? Oder leistet das Jüdische Museum gerade einen ungewollten Beitrag zur Verkasselung Wiens?