Afrikanische Entwicklungskritiker monieren: "Es geht uns schlechter als vor 50 Jahren..." - © Neumann
Afrikanische Entwicklungskritiker monieren: "Es geht uns schlechter als vor 50 Jahren..." - © Neumann

Brigitte Öppinger-Walchshofer, Geschäftsführerin der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (ADA), unterstreicht dabei die wachsende Bedeutung des Privatsektors. Dies sei keine Einbahnstraße - es lohne sich für beide Seiten: vom investierten Kapital fließe eineinhalb Mal soviel zurück. "Wirtschaftspartnerschaften ja - solange sie Arbeits- und Umweltrechte respektieren und Arbeitsplätze vor Ort schaffen", meint dazu NGO-Vertreterin Ruth Picker.

"Entwicklungspolitik ist eine Querschnittsmaterie", sagt Max Santner, der beim Österreichischen Roten Kreuz für Internationale Hilfe zuständig ist. "Handelspolitik, Agrarpolitik, Finanzpolitik haben die stärksten entwicklungspolitischen Hebel." Fairer Handel und gerechte Preise für Rohstoffe waren zu lange Leitmotive der Entwicklungsdiskussion. In den letzten Jahren haben sich die Weltmarktpreise von Öl, Erzen, Kaffee, Soja und Getreide vervielfacht - doch damit keine Lösung gebracht, sondern Abhängigkeiten verfestigt und neue Konflikte geschürt.

1,5 Milliarden Menschen sind von Bürgerkriegen, Repression oder Kriminalität betroffen. Ethik und eine entsprechende Politik haben also keineswegs ausgedient, um den Teufelskreis von Gewalt und Armut zu durchbrechen. Das umfassende Wohlergehen jedes Einzelnen muss im Zentrum stehen, betont Wolfgang Petritsch, Österreichs Vertreter bei der OECD. Bei Konfliktverhütung und Friedenssicherung oder im Umweltschutz ist internationale Zusammenarbeit unabdingbar. Nicht nur in fragilen Situationen braucht es lokale Partizipation, partnerschaftliche Unterstützung - sowie supranationale Institutionen.

Die Bedeutung rasant wachsender Volkswirtschaften wie Brasilien, China, Indien oder südostasiatischer Tigerstaaten wird sich künftig in den Entwicklungs- und Finanzinstitutionen spiegeln, aber auch zu einem verstärkten Erfahrungsaustausch Süd-Süd führen. The white man’s burden wird also abnehmen. Was uns freilich nicht von unserer - auch finanziellen - Verantwortung für globale Herausforderungen wie etwa den Klimawandel befreit.

Gunther Neumann,geboren 1958, hat zwanzig Jahre Erfahrung in leitender Position bei internationalen Organisationen und NGOs, u.a. für Entwicklungspolitik in Afrika, Asien und Lateinamerika.