Robert Lechner, Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, Österreichisches Ökologie Institut - © Renate Schrattenecker Fischer
Robert Lechner, Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, Österreichisches Ökologie Institut - © Renate Schrattenecker Fischer

Im Bereich der Haushalte stellt die Raumwärme mit rund zwei Dritteln des heimischen Endenergieverbrauchs die wichtigste Energienutzung dar. Die österreichische CO2-Bilanz ergibt laut aktuellster Prognose des Umweltbundesamtes für das Jahr 2015 knapp 78,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent, Österreich ist am selben Stand wie vor 25 Jahren. Während der Gebäudesektor seine Emissionen um rund 40 Prozent (oder 5,1 Millionen Tonnen) reduzieren konnte, sind die Emissionen im Verkehrssektor um rund 60 Prozent (oder 8,3 Millionen Tonnen) gestiegen. Um die Klimaziele Österreichs erreichen zu können, bedarf es Maßnahmen zur Energieeffizienz und einen raschen Wechsel hin zu erneuerbaren Energieträgern für die Raumwärme, plädiert Robert Lechner, Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen und Österreichisches Ökologie Institut. Er ist davon überzeugt, wenn es einen Bereich gibt, in dem es möglich ist, klimaneutral zu werden, dann ist das der Bausektor. Im Jahr 2015 sind die Treibhausgasemissionen in Österreich um 3,5 Prozent gestiegen – auch im Gebäudesektor. "750.000 Ölheizungen gibt es aktuell noch in Österreich. Sie verursachen enorme Mengen an Treibhausgasemissionen. Die neue Klimastrategie will ihnen bis 2050 den Garaus machen", betont auch Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt. Die Emissionen im Gebäudesektor sind gesunken, laut Lechner waren es 1990 noch zwölf Millionen Tonnen: "Im Gebäudesektor müssen wir längerfristig denken und dürfen uns nicht fragen, was die Ziele bis 2030 sind, sondern eher, was wir bis 2050 erreicht haben wollen." Schneider stimmt ihm zu: "Wir müssen heute anfangen, fossilfrei zu bauen. Wer jetzt eine Ölheizung einbaut, kommt vielleicht günstiger davon, muss aber – zwischen jetzt und 2050 – auch den kompletten Umbau des Heizungssystems miteinberechnen. Nur so kann das erreicht werden, was wir bei der Klimakonferenz in Paris zugesagt haben."

Wachstum! Wachstum!
Lechner kritisiert, dass seit mehr als zwei Jahrzehnten jede noch so überzeugende Analyse zum Klimawandel und ihren Ursachen gezielt in Zweifel gezogen wird; jeder Versuch, ambitionierte und den Notwendigkeiten angemessene Maßnahmenprogramme zu entwickeln, wird durch eine ungewohnte Allianz aus extrem wirtschaftsliberaler Grundhaltung (Wachstum! Wachstum! Wachstum!) samt Nebengeräuschen (Weg mit den Reglementierungen!) und sozialpolitisch argumentierter Klientelpolitik "für den sogenannten kleinen Mann" (Wir nicht – die anderen sind schuld!) samt gezielter Angstmache (Ausländer! Sozialschmarotzer!) torpediert und auf gut Österreichisch: abgeschossen, bevor es noch ernsthaft diskutiert wurde. Für Lechner sind "weitgehende CO2-Neutralität" oder das "2-Grad-Ziel" unklare Begriffe. "Was im Diskurs über die richtige Deutung dieser Begriffe gerne vergessen wird, ist die Tatsache, dass die in der UN versammelte Staatengemeinschaft in Paris einen für die Zukunft der gesamten Menschheit entscheidenden Beschluss gefasst hat: Die negativen Folgen des durch den Menschen verursachten Klimawandels müssen auf ein jetzt noch mögliches, vertretbares Ausmaß eingedämmt werden."
"Wir sind derzeit nicht nur vom Ziel einer weitest gehenden Dekarbonisierung bis 2050 (im Gebäudesektor) weit entfernt, sondern auch und vom Pfad hin zu diesem Ziel. Aber: Eine starke Reduktion von Energiebedarf und dem Einsatz fossiler Energieträger ist in den kommenden Jahrzehnten möglich. Notwendig dafür sind radikale, rasche Maßnahmen. Thermische Gebäudesanierungen und jegliche Form erneuerbarer und effizienter Wärmebereitstellung stehen nicht im Gegensatz, sondern bedingen einander", erklärt Lukas Kranzl von der TU Wien.

Versorgungssicherheit gewährleisten
Die EU-Kommission hat Ende 2016 das Paket zur Umsetzung der Europäischen Energieunion präsentiert. Diese soll die nationalen Energiemärkte stärker integrieren und Versorgungssicherheit gewährleisten. Der bisher bestehende Einspeisevorrang für erneuerbare Energien soll bis auf wenige, kleine Ausnahmen komplett fallen, eine Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen für erneuerbare Energien in Europa, solange für fossile und Nuklear-Energie die Folgekosten, wie etwa des Klimawandels oder der Luftverschmutzung, nicht im Marktpreis internalisiert sind, merkt Umweltminister Andrä Rupprechter an. Positiv bewertet wird die Ankündigung der Kommission, dass die Subventionen für fossile Energieträger sukzessive abgebaut werden sollen. Der Gesetzesvorschlag soll die Zielerreichung des EU-weiten 27-Prozent-Erneuerbaren-Ziels gewährleisten. Jeder Mitgliedstaat muss bis 2019 eine integrierte Klima- und Energiestrategie bei der EU-Kommission vorlegen. Es müssen die Zielpfade in Bezug auf den Anteil erneuerbarer Energieträger für die Bereiche Wärme, Kühlung, Strom und Mobilität für den Zeitraum 2021 bis 2030 ausgewiesen sein. Die Beiträge für Photovoltaik, Windkraft etc. sind separat anzuführen. Ebenso werden Konzepte verlangt, die zu mehr Energieeffizienz führen. In Österreich werden diese Ziele mit der integrierten Energie- und Klimastrategie festgelegt. Alle Mitgliedstaaten müssen bis dahin auch ihre Vorstellungen über eine Umstellung auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft (80 bis 95 Prozent Emissionsreduktion bis 2050, bezogen auf 1990) im Lichte des Pariser Abkommens bekannt geben.