Der Bulle vor der New Yorker Börse steht für steigende Kurse. - © Wikimedia
Der Bulle vor der New Yorker Börse steht für steigende Kurse. - © Wikimedia

Sparer haben es derzeit nicht leicht: Auf der Bank gibt es, wenn das Geld für fünf Jahre angelegt wird, derzeit maximal 1,4 Prozent. Bausparverträge bieten zwar eine gewisse Sicherheit und sind meist die Basis für die spätere Finanzierung einer Immobilie. Doch beim derzeitigen Zinsniveau und einer staatlichen Prämie von 1,5 Prozent auf die Einzahlungen im laufenden Jahr sind sie ebenfalls nicht wirklich attraktiv. Daher sinkt auch die Zahl der Bausparverträge sichtlich: Gab es vor fünf Jahren noch 5,188 Millionen Verträge, waren es zuletzt nur mehr 4,728 Millionen. Dennoch zählt der Bausparvertrag in Österreich zu den gängigsten Veranlagungen.
Das Ergebnis der konservativen Veranlagung: Zieht man von der niedrigen Rendite noch die Kapitalertragssteuer und die Inflationsrate ab, schmilzt das Vermögen der Sparer von Jahr zu Jahr.
Trotz allem gehen die Österreicher beim Thema Geld lieber auf Nummer sicher und meiden andere Anlageklassen. Wie eine Umfrage der ING DiBa Austria ergab, haben selbst beim klassischen Sparbuch 16 Prozent der Befragten Angst vor Verlusten. Bei Gold verspüren bereits 20 Prozent ein gewisses Unbehagen. Bei Anleihen befürchten 44 Prozent der Befragten Verluste und bei Aktien sind es sogar 68 Prozent, die hier um ihr Erspartes bangen. Zum Vergleich: Im europäischen Durchschnitt sehen hingegen nur 54 Prozent ein größeres finanzielles Risiko, wenn es um Aktien geht.
Die Skepsis der Österreicher ist durchaus verständlich, beschäftigt man sich schließlich hierzulande kaum mit den Alternativen zu Sparbuch, Bausparer und Philharmoniker. Wird nach Wertpapieren gefragt, fallen nur rund der Hälfte der Befragten Aktien ein, ein Fünftel nennt weiters auch Anleihen. Investmentfonds oder Zertifikate sind nur mehr den wenigsten ein Begriff. Dem entsprechend gering ist hierzulande auch die Aktionärsquote: Sie lag im Vorjahr bei sieben Prozent. Damit rangiert Österreich nur knapp vor Deutschland (sechs Prozent). In den Niederlanden können 30 Prozent der Bevölkerung auf ein Aktiendepot verweisen, in den USA investiert etwa jeder Vierte sein Geld an der Börse.

Deutliche Gewinne
Dabei ist das Misstrauen der Österreicher durchaus unangebracht, wie ein Blick auf das "Global Investment Returns Yearbook 2017" der Credit Suisse zeigt. Zumindest, wenn man die internationalen Aktienmärkte über einen längeren Zeitraum im Blick hat. Für diese Publikation wurden 70.000 Börsentage von 23 Aktienmärkten weltweit analysiert und damit die Entwicklung von 91 Prozent des Aktienmarktes in der Zeit von 1900 bis 2016 dargestellt. Im Durchschnitt bescherten Aktien Anlegern demnach ein jährliches Plus von 5,1 Prozent, wobei die Börsen der rohstoffreichen Länder Kanada, USA und Südafrika am besten abgeschnitten haben.
Im 117-jährigen Vergleich schneidet Österreich hier jedoch nicht besonders gut ab. So hat der Börsenplatz Wien in diesem Zeitraum massiv an Bedeutung verloren: 1900 kam Wien auf einen Weltmarktanteil von 5,2 Prozent. Heute wird der Marktanteil Wiens im CS Yearbook nicht einmal mehr ausgewiesen. Nur so viel: China kommt mittlerweile auf 2,2 Prozent Weltmarktanteil, jener der USA stieg hingegen von 15 auf 53,2 Prozent.
Aber auch die durchschnittliche Performance der in Österreich gehandelten Aktien in den vergangenen 117 Jahren lässt zu wünschen übrig: Sie lag bei mageren 0,8 Prozent jährlich – und dies ist der schlechteste Wert unter allen untersuchten Märkten. Bei Anleihen rangieren die Österreicher mit einem durchschnittlichen Rückgang um 3,7 Prozent ebenfalls an letzter Stelle, während Spitzenreiter Dänemark hier auf einen durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 3,3 Prozent verweisen kann. Allerdings haben die Krisenjahre gerade in Österreich das Bild massiv verzerrt.
Wer angesichts der Zahlen für den österreichischen Markt das Thema Aktien und Anleihen abhaken will, sollte einen Blick auf die Entwicklung in den vergangenen 37 Jahren werfen. Denn für die Zeiträume 1980 bis 1999 sowie 2000 bis 2016 sieht das Bild deutlich besser aus. Von 1980 bis 1999 erzielten Anleger mit österreichischen Aktien im Schnitt ein jährliches Plus von 5,8 Prozent, mit Anleihen waren sogar 5,9 Prozent drinnen.
Und in den vergangenen 17 Jahren brachten österreichische Aktien im Schnitt 4,9 Prozent – trotz aller Turbulenzen an den Weltmärk-
ten und der folgenden Finanzkrise. Wobei gerade die Anleihen von der Finanzkrise profitierten. Sie bescherten den Investoren sogar ein durchschnittliches Plus von 6,5 Prozent jährlich. Wer in diesen Jahren noch höhere Renditen anstrebte, musste aber auch hier zu internationalen Papieren greifen.