Bei der Hippotherapie gehen sogar Autisten aus sich heraus. - © ABK/BSIP/Corbis
Bei der Hippotherapie gehen sogar Autisten aus sich heraus. - © ABK/BSIP/Corbis

Viele Wissenschafter meinen, dass das Pferd längst ausgestorben wäre, hätte nicht der Mensch dessen Bedeutung als Reit-, Arbeits- und Lasttier erkannt. Doch in den Jahrtausenden seit seiner Domestizierung, die etwa 5000 v. Chr. begann, erlebte das Pferd eine wechsel- und oftmals leidvolle Geschichte.

Einhufer sind die einzige rezente, also gegenwärtig noch lebende Gattung der Familie der Equidae. Zu ihnen gehören Pferde, Esel und Zebras, insgesamt sieben Arten, von denen die meisten durch Bejagung und Einschränkung ihres Lebensraumes in ihrem Bestand gefährdet sind. Im östlichen Europa sind die letzten wildlebenden Pferde – die Tarpane – im 19. Jahrhundert ausgestorben. Das Quagga, vermutlich eine Unterart des Steppenzebras, wurde Ende des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Auch das Przewalski-Pferd gilt als in freier Wildbahn ausgerottet, Zoo-Zuchtprogramme und Auswilderungsprojekte sollen es in freier Natur wieder heimisch machen.

Der Afrikanische Esel wird als vom Aussterben bedroht gelistet, der Asiatische Esel und das Grevyzebra gelten als stark gefährdet, das Bergzebra als gefährdet. Einzig das Steppenzebra und der Kiang, ein asiatischer Wildesel, weisen sichere Bestände auf. Die wilden Formen der rezenten Pferdearten leben heute noch im östlichen und südlichen Afrika und in den zentralen Regionen Asiens.

Österreich, das Pferde-Urlaubsland

Das Hauspferd und der Hausesel, die domestizierten Formen des Wildpferds respektive des Afrikanischen Esels, sind weltweit verbreitet. Doch aufgrund der Motorisierung der Landwirtschaft und der Verbreitung des Autos ist die Nutzung von Pferden und Eseln in den westlichen Industrieländern stark zurückgegangen. So lag der Pferdebestand in Österreich in den 1950er Jahren noch bei etwa 283.000 Pferden, in den 1970er Jahren dagegen nur noch bei knapp 40.000. Erst in den 1980er Jahren stieg die Zahl aufgrund der Freizeitreiterbewegung wieder. Heute leben in Österreich laut PferdAustria, einer Plattform des Lebensministeriums für alle Bereiche zum Thema Pferd, offiziell rund 120.000 Pferde. Davon wird allerdings nur ein geringer Teil als Last- oder Arbeitstiere (Bundesheer, Forstwirtschaft) genutzt, der Großteil ist dem Wirtschaftssektor Tourismus und Freizeit zuzurechnen. Wobei auch hier wiederum der touristische Bereich (Spanische Hofreitschule, Fiaker, Reiturlaub) klar hinter dem Freizeitbereich der Viel-, Hobby- und Profireiter rangiert. Immerhin erwirtschaften beide Bereiche zusammen jährlich einen Betrag von rund 2,1 Milliarden Euro und schaffen etwa 23.000 Arbeitsplätze. Denn Pferde brauchen nicht nur Futter, sondern auch einen Tierarzt, einen Hufschmied, Ausrüstung wie Sattel, Zaumzeug, ein Geschirr fürs Kutschenziehen oder eine Decke und natürlich vieles andere mehr. Und der Reiter beziehungsweise Kutschenfahrer will ja auch ausgestattet werden…
Das wirtschaftliche Potenzial nach oben ist jedenfalls noch groß, ist man bei PferdAustria überzeugt, da sich auch der Fremdenverkehr prächtig entwickelt: Reiten wird immer öfter als Hauptmotiv für einen Urlaub in Österreich angeführt. So schwangen sich im vergangenen Jahr rund 1,2 Millionen Touristen in den Sattel und blieben knapp neun Tage für ihre reiterlichen Erkundungen im Land.